|
|
Reiseblog Ionisches Meer

1.9.20 #287 |
Ich habe nun die Arbeit am Schiff wiederaufgenommen, und mir als erstes
die Lazy-Jacks vorgenommen.
Das neue Großsegel ist so steif, daß es sich nur sehr schlecht
zusammenbinden läßt, wenn es einfach heruntergelassen wurde, und dann verschattet es einen
großen Teil meiner Solarpanels. Mit Wolfgang war ich in Preveza und habe dort das nötige
Zubehör eingekauft, insgesamt 6 kleine Rollenblöcke und vielleicht 40m 5mm-Leine
(wird nach Gewicht verkauft). Weil ich
statt den vorherigen 3 nun 4 Fußpunkte vorgesehen hatte, habe ich am Großbaum noch 2 neue
Ösen mit Poppnieten plaziert. Die zugehörigen Monel-Nieten hatte ich im Fundus. Damit das nicht
beim nächsten Mastlegen einfach abgeschnitten wird, habe ich die Leinen nicht eingespleißt,
sondern mit lösbaren Knoten eingebunden
|
27.8.20 #286 |
Gestern habe ich noch im nahen Supermarkt eingekauft, und bin heute
morgen bei nahezu Windstille abgefahren. Wie immer kam bald etwas mehr Wind zustande, und es war
wieder entspanntes Segeln. Die Zwischenstation Vonitsa habe ich mir geschenkt und bin gleich
weitergefahren nach Rouga. Wie jeden Tag war der Wind bis zum späteren Nachmittag ziemlich frisch.
Weil ich es bei anderen schon gesehen hatte, und es in Kastrosikias auch schon erfolgreich
durchgezogen hatte, habe ich hier nochmal versucht: Ankermanöver unter Segeln. Nur war hier der
Wind recht stark, und ich kam mit einem ziemlichen Karacho in die Bucht rein. Theoretisch ist das
ganz einfach, man fährt den Ankerpunkt an, stellt das Schiff in den Wind und läßt den Anker raus.
Dann hält der Anker das Schiff weiter genau im Wind, und man hat genügend Zeit, die Segel
gemütlich runterzunehmen und festzubinden. Das ist gründlich schiefgegangen. Beim In-den-Wind-gehen
erhob sich ein wildes Geflatter, mit dem die Genua mich beinahe von Bord geworfen hätte, den Anker
brachte ich nur mit Mühe raus, der fiel schließlich ganz woanders als beabsichtigt.
Doch nach einer Korrektur mit Maschinenkraft war ich doch wieder zuhause.

|
26.8.20 #285 |
Das neue Segel ist steif wie ein Blech und dadurch sehr unhandlich, es
anzuschlagen hat mich deutlich mehr Zeit gekostet als den Segelmacher. Darüberhinaus sind meine
geflicken, unvollständigen Lazy Jacks absolut ungeeignet für ein einfaches Bergen dieses Segels.
Meine Gummistropps, mit denen ich das Segel festbinde, sind von so schlechter Qualität, daß sie
verschleißen, kaum daß sie aus der Orginalpackung herausen sind.
|
25.8.20 #284 |
Genauso unverhofft wie der Segelmacher das Segel abgeholt hatte, wurde es
morgens als Paket ins Cockpit geworfen, der Lärm hat mich natürlich aufgeschreckt, aber ich sah nur
noch den Gehilfen des Segelmachers ins Auto steigen und abfahren.
|
24.8.20 #283 |
Morgens bin ich dann persönlich zu dem Segelmacher marschiert, um ihm
meine Rückkunft und Reklamation zu melden. Er hat das ohne Widerspruch akzeptiert, und schon bevor
ich am Schiff zurück war, hatten sie das Segel abgeschlagen und mitgenommen.
|
23.8.20 #282 |
Bis zum Anfang der Tonnenreihe bin ich wieder gesegelt, der Wind war wieder
etwas stärker, daß ich mit den Segelbergen meine Probleme hatte. Irgendwie tauchten aus allen westlichen
Himmelsrichtungen mehrere Yachten und Katamarane auf, die alle der Tonnenreihe zustrebten, ein richtiges
Gedränge. Das Einfahren entlang dieser Reihe nach Preveza war wieder einfach. Ich fuhr eher langsam,
man hat mich mehrere Male überholt. Weil der Wind immer noch recht stark war, habe ich erstmal vor
dem Kai geankert. Nahezu an der alten Stelle, vor dem verfallenen Sportplatz, war noch eine recht
breite Lücke frei, die behielt ich im Auge.
Später gegen Abend ließ der Wind erwartungsgemäß nach, und da habe ich das r/k-Anlegen unternommen,
allein, ohne Hilfe. Ich fuhr sehr gemächlich den Ankerpunkt an, brachte das Schiff da zum
Stehen, und es blieb auch da, weil kein Wind. Dann ließ ich den Anker raus, zusammen mit reichlich
Kette, alles auf einen Haufen. Dann begann ich das Schiff zu drehen. Mit dem rechtsdrehenden
Propeller, stellt man hierzu das Ruder ganz auf Steuerbord, und läßt das während des ganzen
Manövers so. Dann gibt man aus dem Stand vorwärts Schub. Weil das Schiff zunächst noch steht, drückt
es das Heck durch den Schraubenstrom auf das Ruder erstmal nach Backbord. Wenn das Schiff beginnt,
Fahrt aufzunehmen, bricht man das ab, und gibt rückwärts etwas Schub. Das beendet die
Vorwärtsbewegung und bewirkt durch den Schraubeneffekt eine weitere Rotation nach Backbord. Bevor
sich das Schiff rückwärts in Bewegung setzt, wieder Vorwärtsschub, usw. Auf diese Weise kann man nur
wenig Wind abfangen, deshalb darf es dazu nicht blasen. Man kann dem ganzen Manöver auch eine
Tendenz Richtung Kai geben, wenn die Lücke breit genug ist.
Wenn das Heck schließlich am Kai angekommen ist, springt man mit dem Festmacher an Land, oder wirft
ihn einem Helfer zu. Wenn die erste Heckleine fest ist, zieht man die überschüssige Ankerkette
wieder ein, und hofft, daß der Anker auch richtig festkommt. Erst dann sieht man, ob man für die
Heckleine den richtigen Poller gewählt hat, und kann für die zweite Heckleine eine bessere Wahl
treffen, damit das Schiff schön senkrecht zum Kai liegt. Dann die erste Heckleine nachziehen,
fertig!

|
22.8.20 #281 |
Morgens, ohne Verzögerung ging es weiter nach Süden, jedoch eher gemächlich.
Passend zur Abendzeit war ich auf der Höhe von Kastrosikias, und konnte zum Ankern hinter den Schutz
des Vorgebirges schlüpfen. Als ich schon die Ankerlaterne gesetzt hatte, kam in der Dämmerung noch
ein großer Katamaran, und ankerte ebenfalls vor dem Strand. Ich bin nicht an Land gegangen.
|
21.8.20 #280 |
Gleich morgens, kurz nach Sonnenaufgang bin ich da wieder raus, ohne
an Land gegangen zu sein. Zunächst war der Wind sehr schwach, mehr ein rumdümpeln. Dabei hatte ich
lange Gelegenheit, einem Fischer bei seinem Handwerk zuzusehen. Er fing Sardinen, die Sorte, die
man als Gavros dutzendweise fritiert serviert bekommt. Zwar hatte er die in eher schneller Folge
an der Angel, aber bis er eine ganze Mahlzeit beieinander hatte, war er über eine Stunde beschäftigt.
Es war schon Nachmittag, als ich endlich an der südöstlichen Landspitze von Korfu vorbei war, etwa
da, wo ich mich am Vortag zum Kurswechsel entschlossen hatte, als der Wind deutlich zulegte, platt
von hinten. Die Festina Lente lief wie entfesselt mit 7kts nach Süden. Wenn man platt vor dem
Wind fährt, kann man sich leicht über die tatsächliche Windstärke täuschen, man spürt es nicht.
Gegen Abend, auf der Höhe von Mammoudia, entschloß ich mich, diese wilde Fahrt zu beenden, und lief
auf das breite Felsentor dieser Bucht zu. Es ist wie beim Tigerreiten, solange man oben sitzt, ist
es ganz bequem und lustig, aber wehe, man will absteigen, dann muß man zusehen, daß man nicht gefressen wird!
Als ich dann mit Motor zum Segelbergen in den Wind ging, war das entsprechend heftig. Ich hatte
es zwar erwartet, aber es war doch wieder harte Arbeit, bis alles festgebunden war.
Der Lohn der Mühe war eine ruhige Nacht vor Anker. Diesmal war die Festina Lente das einzige
Schiff in dieser weiten Bucht. Zum Einbruch der Nacht bin ich mit dem Beiboot an Land gefahren, und habe
in einer Taverne am Acheron einen griechischen Salat gegessen, sehr teuer!

|
20.8.20 #279 |
Heute morgen hat mich mein Gast wieder verlassen. Gleich nachdem er in der
Sicherheitsschleuse entschwunden war, bin ich noch zum Lidl marschiert, der in Korfu neben dem
Flughafen residiert, und habe noch einiges gekauft, soweit ich es tragen konnte. Zurück am Schiff
bin ich sofort Richtung Süden abgefahren.
Der Wind war gut, und eigentlich dachte ich bis Preveza durchzufahren. Da sah ich in der Ferne
den mir inzwischen gut bekannten Ort Petriti, und die Aussicht auf eine ruhige Nacht war so
verlockend, daß ich mich entschloß, von meiner Hauptroute abzuweichen, und diesen Ort anzufahren.
Weil der Wind näher an Korfu sehr viel schwächer war, brauchte ich den ganzen restlichen Nachmittag,
um dorthinzukommen, und habe an der alten Stelle beim letzten Licht den Anker geworfen.
|
19.8.20 #278 |
Vor allem am Nachmittag war der Wind recht stark, und der Anker hat wiedermal
nicht wirklich gut gehalten. Weil das hier der optimale Zugang zum Flughafen ist, ankern hier eher
viele Schiffe, und die Abstände sind dadurch recht eng, so ist das gleich aufgefallen, und ein
Nachbar hat mich darauf aufmerksam gemacht. Die Ursache dürfte der üppige Bewuchs mit Seegras
in dieser Bucht sein, da sind solche Probleme nicht ungewöhnlich. Ich mußte daher mehrere Male
den Anker wieder hochholen, an eine bessere Stelle fahren, und den Anker neu setzen.
|
18.8.20 #277 |


Mit Korfu-Stadt haben wir nun den Endpunkt dieses Trips erreicht. Wir haben in
der großen Bucht neben dem Flughafen geankert, leider gibt es hier keine Anlegemöglichkeit für die
Festina Lente, jedenfalls nicht in Fußgängerentfernung zum Flughafen. Rund um diese Bucht zieht sich
eine Promenade, die mich sofort an den Malecón in Havanna erinnert hat. Allerdings würde ich vor dem
Malecón nicht ankern wollen, dazu ist diese Stelle nicht geeignet, aber von Land aus ist der Eindruck
sehr ähnlich, wenn auch etwas bescheidener.
Überhaupt macht zumindest der neuere Teil der Stadt eine mondäne Anmutung, es gibt richtige Boulevards
mit allen Elementen wie getrennte Fahrbahn, Baumreihen und breiten Bürgersteigen, die sich kerzengerade
durch die Stadt ziehen und in markante Plätze münden. Das dürften Überbleibsel aus der Kolonialzeit
sein, ich habe die Franzosen im Verdacht!
Es gibt natürlich auch die typisch griechischen Elemente mit schmalsten, verwinkelten Gassen und
Sträßchen, Bürgersteigen kaum 30cm breit und vielfach unterbrochen, eine Architektur, die dem
griechischen Individualismus frönt, und beweist, daß die öffentliche Verwaltung kaum Einfluß hat oder nimmt.
Ausgerechnet durch so ein Viertel quält sich die Hauptzufahrt zum Flughafen.
Korfu hat in seiner überaus langen Zeit der geschriebenen Geschichte eine umfangreiche Liste von Besiedelungen,
Machthabern und Usurpatoren erlebt. Ein Grund dürfte das für Menschen besonders gute Klima sein, nicht
allzu heiße Sommer, milde Winter und vor allem reichlich Wasser, jedenfalls mehr als im restlichen
Griechenland. Dazu kommt die strategische Lage mit leichtem Zugang zu allen Teilen des Mittelmeeres.

|
16.8.20 #276 |
Heute haben wir den etwas breiteren Sund zur Insel Korfu überquert, und dort in
Petriti vor dem Strand geankert.
Obwohl ich es nach der Karte nicht wirklich glauben konnte, versprach das Handbuch guten Schutz, und
so war es dann auch, trotz des eher starken Windes.
Daß das nicht immer so funktioniert, sieht man an
dem Wrack einer stählernen Segelyacht, das dort auf dem Strand liegt.
Mit dem Beiboot konnten wir leicht den kleinen Ort erreichen, einkaufen und unsere Wasservorräte
ergänzen. In den reichlich vorhandenen Restaurants, dem Nord-Süd Gefälle folgend, waren die Preise
deutlich höher als selbst in Preveza. Und im Sinne von Preistreiberei war Wasser und Brot, sonst im
Preis enthalten, extra zu bezahlen.
|
14.8.20 #275 |
Nach dem Sprung über den nicht allzubreiten Sund liefen wir in den Haupthafen
von Paxos, Gaios ein. Das ist ein langer Schlauch, der sich hinter einer kleinen, vorgelagerten
Insel hinzieht. Am nördlichen Ende dieses Schlauches machten wir mit Heckleinen zu den Felsen der
Insel mit Anker zum Fahrwasser hin fest, ein eher guter Platz. Mit dem Beiboot fuhren wir zum
inneren Hafen, konnten dort einkaufen und unsere Wasservorräte auffüllen, und auch ein wenig in dem
Städtchen herumlaufen.
|
14.8.20 #274 |
Die letzte Bucht auf Antipaxos, ganz am nördlichen Ende ist Vrika Beach, dort
kamen wir eher früh am Tag an. Diese Bucht ist mit touristischer Infrastruktur maximal dicht
ausgestattet, wegen des sehr schmalen und steilen Strandes lückenlos mit Liegestühlen und
Sonnenschirmen zugestellt, dahinter am steilen Hang an extra angelegten Terassen eine Taverne oder
Bar an der nächsten. Aufgefallen ist mir, daß es auf dem ganzen Gelände nicht einen einzigen
Abfallkorb gab. Trotzdem lag gar kein Müll herum. Seltsamerweise war ab 18:00 alles geschlossen,
kein Abendessen zu bekommen, und es gab keine Strandduschen, nicht eine einzige.
|
13.8.20 #273 |
Heute überquerten wir ein kleines Stück offenes ionisches Meer zur Insel
Antipaxos. Wirklich außer Landsicht kamen wir nicht, denn die Insel war als blauer Schatten schon
von Mammoudia aus zu sehen. Dort kamen wir in einer wunderschönen felsigen Bucht an, mit einem
klitzekleinen Strand am inneren Ende. Wie im Handbuch versprochen war das Wasser glasklar mit einem
Stich ins Blaue. Wir haben auf 10m geankert, und man konnte den Anker von oben sehen! Leider waren
wir nicht allein, trotz Corona herrschte ein ziemliches Gedränge, vor allem mit Motorbooten


Weil der Wind teilweise etwas stärker war, trat ein gravierender, fataler Mangel an dem neuen
Großsegel deutlich zu Tage: Weil das Führungsklötzchen am achteren Teil des Unterlieks völlig falsch
positioniert war, konnte es den Zug des Achterlieks nicht aufnehmen, und so hat es den Keder des
Unterlieks teilweise aus der Führungsschiene herausgezogen. Das ist eine Fehlkonstruktion, die einem
Segelmacher, der diesen Namen verdient, einfach nicht passieren darf! Das war der Grund, warum ich beim
Anschlagen des Segels auf Abstand gehalten wurde.
Ich habe das dem Segelmacher gleich per eMail gemeldet, er hat mir versichert, er würde das in Ordnung
bringen, ein Betrugsversuch bleibt das trotzdem!
|
11.8.20 #272 |
Zur nächsten Übernachtung vor Anker fuhren wir nach Ammoudia-Beach
mit der Acheron-Mündung. Der Zugang dieser Bucht ist von zerklüfteten Felsen eingerahmt, und innen gibt es
einen weiten Strandbogen, der touristisch durch mehrere Reihen Liegestühle und Sonnenschirme
maximal genutzt wird.
Beim Baden vor diesem Strand fällt auf, daß da viele eiskalte Süßwasserquellen in diese Bucht münden,
das Wasser hat nur an der Oberfläche die gewohnte Badewannentemperatur, darunter ist es sehr frisch.
Und unerwartener Weise war der Tank des Außenborders leer, der Kanister zum Nachfüllen genauso. Da
bin ich die 3 km über die sonnendurchglühte griechische Landstraße mit dem Kanister in der Hand zur
nächsten Tankstelle gelaufen, bei der Hitze gefühlte 10km. Gottseidank hat mich auf dem Rückweg den
letzten km ein mitleidiger Grieche auf seinem Motorrad mitgenommen.
Der Acheron spielt in der altgriechischen Mythologie als Totenfluß
eine bedeutende Rolle. Vielleicht hat man in ihm wegen der wilden, schwer zugänglichen Schlucht, die er
durchfließt, den Eingang zur Unterwelt vermutet.
|
10.8.20 #271 |
Die nächste Station war Kastrosikias ,
ein kleines Vorgebirge, das ein wenig Schutz vor den hier vorherrschenden Nordwinden bietet, ein
kleiner Hafen, zu flach für die Festina Lente, so haben wir vor dem Strand geankert, der Liegestühle
und Sonnenschirme in Viererreihen präsentierte, wenn auch nur die wenigsten besetzt waren.
( https://www.google.com/maps/@39.0945647,20.6462453,17z?hl=de)
Hier kann man vom Strand aus hoch in den Bergen oben auf einer steilen
Felsklippe eine große, weiße Steinskulptur sehen.
Dieses soll an den Zalango-Zwischenfall erinnern, bei dem in 1803 durch die überaus grausame
Eroberung Griechenlands durch die Türken die Frauen und Kinder einer ganzen Volksgruppe in den
kollektiven Selbstmord getrieben wurden.
Griechen und Türken verbindet eine Art von Haßliebe. Wenn man beide Länder bereist hat erkennt man
unzählige kulturelle Elemente, die beiden gemeinsam sind, besonders auffällig in Architeltur und Musik.
Und man darf nicht vergessen, ein großer Teil der heutigen Türkei war tausende Jahre griechisches
Siedlungsgebiet. Da hat sich eine genetische Vermischung nicht vermeiden lassen. Und Kemal Atatürk, der
Vater der heutigen Türkei, kam aus Thessaloniki, sicher genetisch zum Teil ein Grieche.
Die Türken waren weder die Ersten noch die Letzten, die sich bei ihren Eroberungen besonderer Grausamkeiten
schuldig gemacht haben, die Geschichte ist voll von Gräueltaten, auch die Griechen sind da keine Ausnahme.
|
9.8.20 #270 |
In Preveza mußten wir ein paar Tage bleiben, weil die Festina Lente ein neues
Großsegel bekommt. Das hatte ich schon im Winter telefonisch bei einem Segelmacher in Preveza bestellt,
aber die Hoffnung aufgegeben, daß das noch was wird. Nun war es wider Erwarten doch fertig und abholbereit.
In der Zwischenzeit wurde der Stadtkai von Preveza seinem schlechten Ruf gerecht, ein starker Ostwind brachte
das Wasser in der Bucht von Preveza in Wallung und drückte die Fender platt, sehr ungemütlich.
Der Segelmacher kam mit seinem Assistenten, und die beiden haben in rasender Schnelligkeit das alte
Großsegel abgeschlagen und das Neue angeschlagen. Zuerst dachte ich, das wäre einfach guter Dienst
am Kunden, später wurde mir klar, sie wollten mich nicht ranlassen, um gravierende Fehler zu verstecken.
|
7.8.20 #269 |
Das nächste Reiseziel ist da zwangsläufig Preveza.
Auch nicht sehr weit, in wenigen Stunden erreichbar, allerdings bei sehr ungünstiger Windrichtung, alles
gegenan. Zuerst fuhren wir große, raumgreifende Kreuzschläge*, mit langen Zeiträumen zwischen den einzelnen
Wendemanövern. Weiter innen in der Bucht von Preveza wird der Raum immer enger, noch dazu von Flachwasserbereichen
begrenzt, die mit Tonnen markiert sind. Da folgen die Wendemanöver immer dichter aufeinander. Wenn man
den engen Raum maximal nutzen will, ist das Echolot das wichtigste Instrument. Wenn da die kritische Tiefe
erreicht ist, kommt das Manöver ziemlich plötzlich, und es muß dann auch klappen, damit man nicht aufläuft.
Da muß jedesmal die Genua wieder ganz dicht² herangekurbelt werden, damit man die maximale Höhe gegen
den Wind zustandebringt. Das ist richtig schwere Arbeit, jede Verzögerung oder Ungenauigkeit kostet Höhe.
Schließlich zeigte sich, daß wir in dem schmalen Fahrwasser nur noch hin- und herfuhren, ohne noch an Höhe
zu gewinnen. Da nahmen wir die Segel herunter und führen die restliche 2 Meilen mit Dieselkraft in den
Hafen.
Dort am Kai lagen eine Reihe von Yachten längseits, und hatten da eine für uns passende Lücke gelassen.
Beim Anfahren dieser Lücke geriet eine Leine in die Schraube, was zu sofortiger Manöverierunfähigkeit führte,
Gottseidank schon in Reichweite des Kais, sodaß das Schiff erstmal provisorisch festgelegt werden konnte.
Da mußte ich im Hafen tauchen gehen, aber das Losschneiden der Leine war unproblematisch, und wir konnten
doch gleich richtig anlegen.
(*)Will man mit einem Segelschiff gegen den Wind vorankommen, muß man kreuzen, d.h. erstmal nicht direkt
auf das Ziel losfahren, sondern unter einem möglichst kleinen Winkel. Nach einer Wende macht man das von
der anderen Seite. Man nähert sich dem Ziel in Zick-Zack Manier, und hat dabei etwa die dreifache Distanz
zu fahren. Die Festina Lente hat dabei einen Wendewinkel von etwas weniger als 90°. (Siehe).
(²) Will man mit einem Segelschiff die maximale Höhe fahren, also den kleinstmöglichen Winkel zum Wind,
müssen alle Segel so eng wie möglich an die Längsrichtung des Schiffes herangezogen werden. Dabei muß die
Genua in der Wende vor dem Mast herumgezogen werden, also die Schoot auf der einen Seite gelöst, und dann
auf der anderen Seite wieder ganz angezogen werden. Bei der Festina Lente können dabei mehrere Tonnen
Zug bei entsprechendem Wind zustandekommen. Um das zu bewältigen gibt es richtig große
Zweigang-Winschen,
aber eben nur für Handbetrieb, da ist das Dichtholen richtig Arbeit.
Bei einer Wende gibt es unmittelbar, nachdem das Schiff durch den Wind gegangen ist, einen kurzen Moment,
bei dem noch kein Winddruck im Segel ist. Da kann man das Segel einfach dichtholen, indem man die Schoot
von Hand durch die Winsch zieht. Kommt kurz darauf Druck ins Segel, muß nur noch korrigiert werden.
Das führt zu einer besonders schnellen Wende mit geringstem Höhenverlust. Regattasegler streben
diese Technik an, wer es besonders gut kann, gewinnt!
|
4.8.20 #268 |
Gleich morgens ging der erste Segeltag Richtung Vonitsa los. Der Wind war zuerst mäßig,
gerade ausreichend für schönes Segeln. Wir sahen auch richtig einen Delfin, der uns seinerseits genau
inspizierte. Später legte der Wind ordentlich zu, daß es sogar ein wenig sportlich wurde. Wir haben
erstmal vor dem Strand geankert, um für das Anlegen im Hafen die ruhigeren Abendstunden abzuwarten.
Da kam ein Mann herangeschwommen, dem ich wohl zu nahe am Strand war, obgleich ich nicht nur von den
Badenden Leuten Abstand gehalten hatte, sondern auch auf ca. 5m Wassertiefe geankert hatte. Der hatte
vermutlich nicht gesehen, wie es im vergangenen Jahr hier zugegangen war, oder es waren ihm trotz Corona
noch zuviele Gäste.
Am Abend, bei weniger Wind und mit Unterstützung durch einen alten Bekannten,
der mit seinem Boot hier im Hafen lag, haben wir römisch/katholisch im Hafen angelegt.
|
1.8.20 #267 |
Ich habe einen Gast! Er wird mich 3 Wochen lang begleiten, und kommt vormittags
aus Deutschland in Preveza an. Das ergibt heute einen engen Zeitplan. Erstmal mit dem Roller zum
Flughafen, der Rückweg über die Berge mit 2 Personen + Gepäck auf dem schwachbrüstigen Fahrzeug war schon
etwas gewöhnungsbedürftig, aber es ging ohne Havarie oder sonstige Probleme durch die griechische
Landschaft, dadurch hatte man besonders viel Zeit, erste Eindrücke zu sammeln.
Dann ging ohne weitere Verzögerung das Wassern los. Wie versprochen, wurde die
Festina Lente erstmal nur angehoben, damit ich Gelegenheit hatte, einen Rest Antifouling unten an den
Kiel aufzutragen, was vorher durch die Auflagen nicht zugänglich war. Dann ging es die Rampe runter ins
Wasser.
Nahdem das Schiff aufgeschwommen war, wollte ich die Maschine starten. Ich hatte vorher kurz getestet,
ob die Starterbatterie genügend Ladung hatte, für einen umfassenden Test hätte ich extra einen
Wasserschlauch für die Zweikreiskühlung installieren müssen. Jetzt mußte ich feststellen, daß das
Gasgestänge unbeweglich fest war, ich konnte kein Gas geben. Gottseidank stand der leichte Wind sehr
günstig, so konnte ich die Festina Lente einfach aus dem Trailer heraus und ein Stück weit in
die Bucht treiben lassen und dort den Anker werfen.
Das war für den Gast gleich die richtige Einstimmung! Wenigstens war das hier
die optimale Urlaubsidylle mit Strand, Taverne und Dusche, und Mobilität mit dem Schlauchboot.
Ich habe selbstverständlich das Problem gleich angegangen, und es hat leider einige Zeit gedauert, bis
ich bei dem komplizierten Gestänge vom Gashebel im Cockpit bis zur Einspritzpumpe am Motor die
eigentliche Ursache gefunden hatte: Die Luftklappe am Ansaugstutzen war fest. Die sitzt natürlich
an einer weniger gut zugänglichen Stelle, und bei der Demontage sind mir auch richtig die Befestigungsmuttern
in die Bilge* gefallen.
Weil ich die Klappe selbst nicht weiter zerlegen konnte, habe ich schließlich mit viel WD40 und reichlich
Öl die Leichtgängigkeit wiederhergestellt, und das Ding zurückmotiert. Zuerst hatte ich die Ursache
in der komplizierten Mechanik am Schalthebel vermutet, um da ranzukommen mußte ich den Cockpittisch
abbauen. Um das alles wieder zurückzubauen, war ich (mit Badepausen) 2 Tage lang beschäftigt. Am So Abend
lief die Maschine wieder, und ich habe gleich einen besseren Ankerplatz aufgesucht.
(*)Bilge: Das ist der tiefste Punkt an einem Schiff, wo sich sämtliche Dinge, vor allem Flüssigkeiten,
sammeln, die jemals irgendwo ins Schiff geraten. Bei der Festina Lente ist das unter dem Motor, einen
guten Meter tief, mit einer Schicht Motoröl darauf, das irgendwann vom Motor herabgetropft ist, ein
schwarzes Loch, das niemals wieder etwas herausgibt, was da einmal hineingefallen ist.

|
27.7.20 #266 |
Das Antifouling ist eine dickflüssige, schwarze Farbe, die ich mit einer
Schaumstoffrolle aufrollere. Dabei bleibt Kleckserei nicht aus, und ich habe bald reichlich Punkte.
Ich habe einen 2,5l Kübel, und beim Erstenmal, noch in Schwabach, reichte das für nahezu zwei vollständige
Anstriche. Jetzt, bei der Hitze, ist absehbar, daß es nichtmal für einen Anstrich reichen wird, denn
die Farbe wird ständig dickflüssiger. Da habe ich das mehrmals verdünnt, und letztlich alles, den
gesamten Inhalt des Kübels auf das Unterwasserschiff aufgetragen.
Das Wassern habe ich beim Marinachef für den 1.8. bestellt, trotz Samstag wird er das tun. Als
Vorbereitung muß ich noch das Beiboot ins Wasser bringen, das muß vorher auch noch aufgepumpt werden.
Dann ist alles bereit!
|
25.7.20 #265 |
So nach und nach habe ich alle ins Unterwasserschiff hineingefahrenen Löcher
wieder geflickt, und dabei einiges an Epoxidharz und Glasgewebe verbraucht, alles schön glatt geschliffen,
bereit für das neue Antifouling*.
(*)Antifouling, ein Begriff aus dem Englischen entlehnt, soll nicht etwa verhindern, daß das Schiff
verfault, was bei einem GFK-Schiff sowieso nicht möglich ist, sondern soll Bewuchs durch
Unterwasserlebewesen verhindern. Trifft man keine Maßnahmen dagegen, kann dieser Bewuchs zu mehreren
Zentimetern Dicke anwachsen und das Schiff erheblich bremsen.
|
24.7.20 #264 |
Wolfgang hat ein schönes Maststeigehilfsmittel ersonnen und gebaut, und weil
es so gut funktioniert, hat er es sich nicht nehmen lassen, den Besan der Festina Lente damit selbst zu
ersteigen. Er hat sogar jede weitere zusätzliche Sicherung abgelehnt, obgleich ich ihm das dringend
angeboten habe. Oben auf dem Besan hat er festgestellt, daß die blockierte Dirk nicht aus der Rolle
gesprungen war, und hat den häßlich verbogenen Flaggstock abmontiert. Glücklich wieder zurück
auf Deck brachte er die Dirk durch einen herzhaften Ruck wieder in Bewegung, hätte ich nicht für
möglich gehalten.
Den Flaggstock habe ich erstmal von seinem abgeknickten Stück abgesägt, den
Rest des geknickten Alurohres aus seinem Fuß herausgeklopft, und eine Weile hin und her überlegt, wie
das Problem zu lösen sei. Einen einfach gerade aufragenden Flaggstock wollte ich nicht, für eine schöne,
stabile, harmonische Biegung fehlte die Biegemaschine.


Da hatte der Marinainhaber offenbar im Herbst die Olivenbäume am Rande des Platzes ausgeholzt, und
die Äste erstmal liegenlassen. Aus diesem Haufen habe ich mir ein Knie mit der passenden Biegung
herausgesucht, das eine Ende passend für den Fuß zurechtgeschliffen, das andere Ende für das Alu-Rohr.
Dem Mittelstück habe ich eine organische Form mit sanften Übergängen verpaßt, damit keine Spannungsspitzen
auftreten, die zu Bruch führen könnten. Um die Dauerhaftigkeit des Produktes zu verbessern, habe ich es
eine gute Stunde in Öl gekocht. Aus technischen Gründen hätte ich Leinöl nehmen müssen, das stand aber
nicht zur Verfügung. Passend zu der Holzart hätte ich Olivenöl nehmen können, war mit zu teuer. Da habe
ich kurzerhand das aus DE mitgebrachte Rapsöl genommen. Besser als Nichts. Die Konstruktion noch
mit Splinten gesichert, fertig! Wolfgang hat sich auch diesmal das Maststeigen nicht nehmen lassen,
und so weht der Adenauer wieder an einem Flaggstock mit der richtigen Krümmung!
|
22.7.20 #263 |
Die Festina Lente benötigt für einen entspannten, reibungslosen Betrieb etwa 3 Mann
Besatzung. Mit 2 Kräften geht das auch noch leidlich komfortabel. Selbstverständlich geht das mit
4 Kräften noch besser, aber das dürfte schon die Obergrenze sein, denn dann wird der Lebensraum an Bord
knapp, 5 Leute werden sich so gegenseitig auf die Füße treten, daß der Vorteil der weiteren
Arbeitsteilung zu Nichte wird. In der Charterversion konnte die Festina Lente 12 Besatzungsmitglieder
beherbergen, gemessen an der Zahl der Schlafplätze. Wie da noch ein erfolgreicher Urlaub zustandekommen
soll, ist mir nicht vorstellbar. Dennoch ist es üblich, daß Charteryachten mit dieser oder sogar noch
höheren Dichten besetzt werden, wohl um die enorm hohen Chartergebühren für den Einzelnen besser
erträglich zu machen.
Ich kann die Festina Lente auch alleine, einhand* fahren. Da bleiben knifflige
Situationen nicht aus, selten kann man Aufgaben gleichzeitig bearbeiten, man muß alles in eine sinnvolle
Reihe bringen und nacheinander angreifen, auch wenn die äußeren Umstände das Geschehen erbarmungslos
vorantreiben. Leider kann man dabei leicht an die Grenze der Überforderung geraten. Das zu Vermeiden,
ist die Kunst des Einhandsegelns.
Wenigstens hat man überhaupt keine Probleme mit der Kommandostruktur.
Traditionell ist die nautische Kommandostruktur an der militärischen orientiert,
es könnte auch umgekehrt sein. Der Kapitän ist "master next god"(²), er bestimmt alles, duldet keinen
Widerspruch. Ob er diesem Anspruch auch gerecht wird, indem er alles weiß und alles kann, bleibt dabei völlig
unberücksichtigt.
In der Verkehrsluftfahrt hatte man ursprünglich dieses Prinzip unverändert übernommen, der Flugkapitän
hatte wie sein nautischer Bruder die Spitzenposition in der Hierarchie inne, hatte die absolute Macht
und Verantwortung.
Es hat sich jedoch gezeigt, daß dieses Prinzip schlimmste Unfälle provoziert. Allen voran das schwerste
Unglück der bisherigen Luftfahrtgeschichte, der Verlust zweier vollbesetzter Jumbos auf Teneriffa mit 583
Toten. Da hat der KLM-Kapitän, der auch Chefausbilder für das fliegende Personal bei seiner Airline war, sich mit
der ganzen Kraft seiner hierarchischen Autorität über die Bedenken seines Copiloten hinweggesetzt, und so
diese historische Katastrophe herbeigeführt.
Auch das jüngere Unglück mit dem mißglückten Landeanflug
in Karachi mit 98 Toten entstand durch so ein Hierarchieproblem.
Man hat deshalb in der Luftfahrt das hierarchische Prinzip durch einen Zwang zur Kommunikation
abgemildert oder sogar ersetzt. Überdeutlich ist das in vielen Videos aus dem Flugzeugcockpit zu sehen,
wo Kapitän und Copilot gleichzeitig die Hand auf den Gashebeln liegen haben.
Noch weniger hierarchisch ist die Kommandostruktur in einer (guten) Fußballmannschaft.
Es gibt zwar einen Kapitän und auch einen Trainer, aber beide haben während eines Spieles wenig Gelegenheit
zu kommandieren. Daß da überhaupt kommuniziert wird, konnte man bei den Corona-Spielen im menschenleeren
Stadion hören, bei Spielen im vollbesetzten Stadien wird auch das durch die Geräuschkulisse verhindert.
Es ist kein Geheimnis, daß beim Fußball der Erfolg ganz wesentlich von dem Funktionieren dieser Struktur
abhängt ("Elf Freunde müßt ihr sein"(³)).
Trotz der Erkenntnisse über die verhängnisvollen Ergebnisse einer hierarchischen
Kommandostruktur scheint das Yachsegeln eine Spielwiese für vorgestrige Kapitäne zu sein. Da werden
dunkelblaue Anzüge mit zweireihigen Goldknöpfen samt Prinz-Heinrich-Mützen getragen und Flaggenparaden
zelebriert und selbstverständlich die absolute Macht des Skippers ausgelebt.
Nun ist eine Segelyacht kein Flugzeug, man hat meist vielfach Gelegenheit, Fehler wieder zu korrigieren
oder die Verantwortung für ein mißlungenes Manöver in der Hierarchie nach unten durchzuschieben, der
größte Teil des Publikums ist meist unerfahren und erkennt die wahren Ursachen eines Problems nicht.
Die moderne Führung einer Segelyacht hat mehr Verwandtschaft mit einer Fußballmannschaft als mit dem Militär,
sie ist vor allem kommunikativ, die Kompetenzen sind verteilt, jedes Besatzungsmitglied fühlt sich für
das Ganze verantwortlich und arbeitet in diesem Sinne. Bei Manövern fällt kein lautes Wort, jeder weiß
genau, was er wann zu tun hat, jeder ist bemüht, seine Kompetenz zu verbessern. Letztlich fällt dem
Skipper wie einem Fußballtrainer als Hauptaufgabe zu, diese Harmonie herzustellen und zu bewahren.
Umgekehrt darf sich niemand aus dem System ausklinken, ein Argument wie "ich kann das nicht" kann keinen
Bestand haben, und darf allenfalls durch "ich will das noch lernen" ersetzt werden.
Selbstverständlich dürfen persönliche Animositäten keinen auch noch so kleinen Raum haben, und erst
die persönliche Harmonie macht das System perfekt.
(*)Einhand: Eine Hand für sich selbst, da bleibt für das Schiff nur eine Hand übrig!
(²)Höchste Autorität überhaupt, Nur Gott steht über ihm.
(³)Wegweisender Fußballroman von Sammy Drechsel.
|
18.7.20 #262 |
Hier laufen zwischen den Schiffen 2 Ziegen herum. Es ist ähnlich wie mit den Rehen in der Rennmühle, sie
fressen so ziemlich alles an, vor allem das, was sie nicht sollen.

So hat der Betreiber der Marina in mühevoller Kleinarbeit
Rosen gezüchtet, die, wie ich gesehen habe, auch richtig schön geblüht haben, und die Ziegen haben das gewissermaßen über
Nacht vernichtet.
Das weibliche Tier ist ganz im Gegensatz zu meinen früheren Schafen, sehr zutraulich, während der Bock, ein ausgesprochen schönes
Tier, immer auf Abstand bedacht ist.
Im Gegensatz zu den Rehen geben sich die Ziegen nicht mit dem zufrieden, was sie einfach erreichen können. Sie stellen sich notfalls
auf die Hinterbeine und biegen auch kleine Bäume einfach um und fressen denen wirklich alle Triebe ab. Was da den Ziegen immer ausgesetzt
ist wird früher oder später absterben. So erklärt sich die im gesamten Mittelmeerraum verbreitete Macchia . Dieses dornige Gesträuch
wird von diesen Tieren verschmäht, alles andere wird sytematisch vernichtet, und das seit Jahrtausenden.
Daß im Mittelmeerklima trotz des heißen und trockenen Wetters auch richtiger Wald wachsen kann, sieht man an den wenigen
militärischen Sperrgebieten. Dort sind Schafe und Ziegen ausgeschlossen. Daran wird erkennbar, daß die sonnendurchglühten felsigen
Berge ein vom Menschen hervorgerufenes Phänomen sind, erzeugt durch drastische Überweidung. Dadurch konnte sich, nachdem die
Mächte der Antike den Wald bei ihren gut dokumentierten Seekriegen im Mittelmeer versenkt hatten, kein neuer Wald entwickeln.
|
16.7.20 #261 |
Die Festina Lente hat jetzt einen neuen alten (gebrauchten) Anker. Der vorherige Anker hatte seine
Untauglichkeit vielfach bewiesen.
Die geballte Masse der hier versammelten versierten Fachleute war sich einig, daß die Ursache in einer Krümmung des
Ankerstocks zu suchen sei. Ich kenne diesen Anker jedoch nicht anders, und denke, er war extra so konstruiert, damit er sicherer
in seiner Ankerwippe liegt. Ich werde ihn jedoch gegen den Rat der Fachleute nicht entsorgen, sondern als 4. Reserveanker behalten.
Und, wer weiß. vielleicht hat mein neuer alter Anker eine ähnliche Geschichte hinter sich, warum stand er zum Verkauf?
Es wird sich vermutlich sehr schnell zeigen, ob dieser Anker besser hält.
Auf dem neuen alten Anker ist stolz vermerkt: "Made in Scotland". Man weiß ja aus der Geschichte und von vielen anderen Anlässen. daß sich die
Schotten nicht ganz freiwillig in das Vereinigte Königreich integriert haben, und bei verschiedenen Gelegenheiten ernsthaft versucht haben, dieser
Zwangsgemeinschaft zu entfleuchen. Mit dem Brexit haben wir wieder mal so einen Anlaß, und ich denke, diesmal werden sie es durchziehen. Die restlichen Briten
werden den Brexit bitter bereuen, denn sie werden ohne EU und ohne die Schotten in die vierte Liga absteigen. Ihr Stolz wird erstmal eine Rückkehr
in die EU unmöglich machen, erst wenn erkennbar wird, daß die Schotten das bessere Ende erwischt haben, wird ihnen nichts anderes übrigbleiben,
als in die EU zurückzukehren.
|
14.7.20 #260 |
Um mein nicht funktionierendes Internet voranzubringen, bin ich heute mit dem Roller nach Preveza zum
Telefonladen gefahren. Ich bin da zwar schon etliche Male als Sozius auf Wolfgangs Roller mitgefahren, aber Selberfahren ist schon
anders! Durch Vonitsa durch, am Flughafen vorbei, und durch den Tunnel. Es ist insofern bemerkenswert, als der Roller nur max 45km/h
geht, aber die Straße zwischen Vonitsa und Preveza inkl. Tunnel als Autobahn deklariert ist, Hat sich aber niemand daran gestört, war
sowieso extrem wenig Verkehr.
Im Telefonladen zeigte sich, daß die Karte in meinem Hotspot nicht aufgeladen war, trotzdem ich ja schonmal bezahlt hatte. Also nochmal
bezahlt, aber noch im Telefonladen mit dem mitgebrachten Laptop getestet.
Der Rückweg war schneller, weil kräftiger Rückenwind. Insgesamt war ich fast 2h unterwegs.
Abends dann mit dem Roller nach Pariampela zum Abendessen, natürlich griechischer Salat! Wolfgang ist mit seinem PS-starken Roller
vorneweggefahren, ich hinterdrein. Er fährt, wie man so schön sagt, wie eine gesengte Sau*, hat aber mehrere Male gewartet, bis ich
aufgeholt hatte.
(*) Ein Ausdruck aus Zeiten, als es noch keine Veganer gab: Man hat früher den Schweinen nach dem Schlachten die Haare abgesengt. Wenn man
das Schwein nicht richtig betäubt bzw. getötet hatte, konnte es bei der Prozedur aufwachen, und hat dann entsprechend schnell die
Flucht ergriffen.

|
13.7.20 #259 |
Wolfgang hat extra für mich den Roller wieder mal in Gang gebracht. Seinem Zustand nach wurde er den Winter über
ausgiebig genutzt, da kann ich mich nicht beschweren, ich habe es ausdrücklich erlaubt. Bei der ersten Ausfahrt habe ich prompt den
Schlüssel verloren, daraufhin mußte Wolfgang auch noch den Tankdeckel aufbrechen. Beim zweiten Versuch bin ich richtig nach Vonitsa
gekommen, und habe in meinem Lieblings-Supermarkt eingekauft.

Alles war unverändert, nur die Kühltruhe mit dem Speiseeis war bis
auf 2 Packungen komplett leer. Dieses Eis hatte eine eigentümliche blaue Farbe, die ich sonst als Warnfarbe von Parathion* kenne. So
was kann es nur in Griechenland geben! Kein Wunder, daß niemand das kaufen wollte! So ist es extra für mich übriggeblieben. Unter
Nichtachtung der Farbe habe ich es trotzdem vertilgt, es war ein ganz normales Milcheis mit dem typischen künstlichen Vanillegeschmack,
was die Farbe soll, wissen nur die griechischen Götter!
Abend waren wir wieder in der Strandtaverne. Dieses Jahr scheint der griechische Salat zu meiner Standard-Diät zu werden.
(*) Parathion, bekannt auch als E605 ist ein besonders übles Rattengift. Um Verwechslungen vorzubeugen, ist es nur mit einer blauen Warnfarbe
im Handel (Was manche Leute nicht davon abgehalten hat, ihre Mitmenschen damit umzubringen).
|
11.7.20 #258 |
Es ist schon erstaunlich wie schnell das mit der Akklimatisierung geht. An das Klima sowieso, am Ort hier
hat sich so gut wie nichts verändert, man weiß ohne Suchen oder Nachfragen wo was ist. Am Bootssteg gibts bis auf Weiteres einen Schlauch
mit Frischwasser, was den Genuß eines Bades im Meer sehr erleichtert. Und irgendwie kennt man viele wenn nicht alle Leute, die hier
zugange sind, so als wäre man nie weggewesen.
Nachtigallen gibts nicht mehr, dafür jede Menge Spatzen, und in der Dämmerung kreisen die Fledermäuse um die Masten. Untertags in der
Hitze erfüllt das Zirpen der vielen Zikaden die Luft. Ich habe schon das erste Abendessen, diesmal in Pariampela, hinter mir:
Griechischer Salat. Langsam ordnen sich auch die Prioritäten der Dinge, die zu tun sind.
|
9.7.20 #257 |
Im Gegensatz zum meinem vorherigen Flug gab es nach der Landung einen, wenn auch etwas zaghaften Applaus.
besonders sanft war das Aufsetzen nicht, aber eben auch nicht besonders heftig, normal halt. Beim Warten vor dem Terminal in Berlin
hätte ich erwartet, daß sich die Passagiere gegen den äußeren Feind solidarisieren, aber die Kälte hat wohl jede Initiative
getötet. Erst beim Warten auf den Auslaß aus dem Flieger hat mir meine Sitznachbarin, eine junge, attraktive Dame, gestanden, daß
sie zu einer, nicht der eigenen, Hochzeit unterwegs ist. im Gegenzug habe ich ihr von meinem Segeln erzählt und ihr eine Karte
gegeben. Das wars mit der Kommunikation unter den Passagieren.
Im Flughafen Preveza angekommen, war niemand da, um mich abzuholen. Es hat eine Zeitlang gedauert, bis ich mein Telefon in Gang gebracht habe,
und sogleich rief ich Wolfgang an. Er war auch richtig zum Flughafen gefahren, hatte aber durch die Verspätung und unklare Zeitangaben
aufgegeben und ist erstmal zum Lidl nach Preveza zum Einkaufen gefahren. Weil er schon nicht mehr mit mir gerechnet hatte, hat er
den Roller ordentlich vollgeladen, und war eigentlich schon an dessen Belastungsgrenze, als er auf dem Rückweg nochmal zum Flughafen
abgebogen ist. Da noch mein Gepäck und Lebendgewicht obendrauf war schon grenzwertig. Aber als routinierter Fahrer kann er das,
fuhr vielleicht etwas langsamer, und wir kamen richtig am Tor von Steel-Design an. Die steile, geschotterte Rampe zum Schiffslagerplatz wollte
er dann verständlicherweise doch nicht hochfahren, und wir haben unten am Strand mein Gepäck abgeladen. Wolfgang hat mir aus seiner
Überkompletten Ausrüstung einen Handwagen zur Verfügung gestellt, um es an die Festina Lente heranzufahren. Damit war ich wieder
zuhause.

Im Schiff war es gut 45°C heiß, quer über den Niedergang waren etliche Spinnennetze gespannt, aber Dank den Solarpanels waren die
Akkus voll und ich konnte sofort den Ventilator aktivieren. Wenn ich es bei der Abreise nicht selbst erzeugt hätte, könnte man bei
dem Chaos am Schiff erschrecken. so nach und nach, kommt alles dran!
|
1.10.19 #214 |
![]()
Nachdem ich die letzten 2 Tage mit Aufäumen und Packen verbracht habe, bin ich heute morgen Richtung München
abgeflogen. Der Flug ging eher zeitig Morgens, so mußte auch Wolfgang sehr früh aufstehen, um mich mit seinem Roller zum
Flughafen zu fahren. Es war kalt, die dicke Jacke, die ich für DE angezogen hatte, war auch hier nicht falsch. Wolfgang hat mich
unmittelbar am Departure-Eingang abgesetzt, mit Roller kein Problem. Ich war früh da, und konnte als einer der ersten einchecken. Im
Wartebereich nach der Sicherheitskontrolle wollte ich mir noch was zum Lesen kaufen, es gab aber nur Schnaps und Parfüm Duty-free, so
war die Wartezeit sehr langweilig. Aufgefallen ist mir noch, daß sich im Gegesatz zu meinen früheren Flügen keinerlei Kommunikation
zwischen den Passagieren entwickelt hat, keine Frage nach Ort und Qualität des Urlaubs, obgleich alle nach ihrer Hautfarbe auf dem
Rückweg vom Urlaub waren. Enttäuscht war ich, daß offenbar noch mindestens 2 weitere ältere Herren mit Bart und Zopf dabei waren, langsam geht
die aufwendig erzeugte Einzigartigkeit meines Äußeren verloren, die ganze Mühe mit den langen Haaren vergeblich! Allenfalls war ich der einzige Seebär oder
Salzbuckel, die anderen sahen mehr nach Hotelurlaub aus. Im Flieger hatte ich einen Platz am Mittelgang, und konnte deshalb von dem Seegebiet das ich nächstes
Jahr als erstes durchqueren will, nur bruchstückhaft was sehen. Der Kurs ging zunächst ziemlich in der Mitte der Adria, bemerkenswert
fand ich, daß man aus der Flughöhe von 10000m auf beiden Seiten gleichzeitig Land sehen kann, immerhin über 50sm weit, vom Schiff aus
unmöglich.
![]()

|
28.9.19 #213 |
Es ist kühl geworden. Morgens zieht man gerne ein Jacke an, und genießt die Wärme der Sonne, allenfalls
mittags zieht man sich in den Schatten zürück, und schon nachmittags holt man sich wieder die Jacke. Die Sonne steht nach wie vor
am makellos blauen Himmel. Ich bin mit dem von Wolfagng wieder in Gang gebrachten Roller nach Vonitsa gefahren, und habe mich im Hafen
umgesehen, in dem ich viele Wochen zugebracht habe. Dort waren andere Schiffe, andere Leute, inzwischen gibt es auch dauerhaft freie
Liegeplätze. Das Leben auf dem Schiff bedeutet nicht nur immer wieder neue Orte, neue Bekanntschaften, es ist auch ein permanentes
Abschied nehmen, von liebgewonnenen Menschen und Orten, die man wahrscheinlich niemals wieder sehen wird. Das paßt schon zu der
herbstlichen Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Abschied hier und der freudigen
Erwartung des Heimkommens.
|
27.9-19 #212 |
![]()
Heute bzw, schon gestern hat sich eine interessante Begebenheit zugetragen. Gestern Vormittag fuhr
oder besser trieb eine englische Segelyacht in die Rouga-Bay und lief am östlichen Eingang zur Bucht unmittelbar vor dem Strand
auf Grund. Das ist natürlich aufgefallen, man hat sofort Hilfe organisiert, mehrere Leute sind mit dem Beiboot hingefahren, aber der Skipper,
der allein an Bord war, war sich seiner Lage anscheinend nicht bewußt und hat jegliche Hilfe abgelehnt. Weil das Wetter eher hahrmlos war,
hat man das erstmal auf sich beruhen lassen. Heute morgen lag das Boot immer noch an der gleichen Stelle, und weil der Wind immer
stärker wurde hat man die Hilfe etwas energischer betrieben, und konnte den Skipper wohl überzeugen. Hilfsmaßnahmen zuzulassen. Man
ist dann mit einer besonders stark motorisierten Segelyacht hingefahren, und hat das Boot eher leicht per Schleppleine wieder
flottgemacht. Weil der Motor offenbar nicht betriebsfähig war, hat man die Yacht zu einem passenden und sicheren Ankerplatz in der Bucht
geschleppt, dort liegt sie nun.
![]()
weiter
|
25.9.19 #211 |
![]()
Meine Computer sterben wie die Fliegen. Nun peife ich in dieser Hinsicht auf dem allerletzen Loch: Nachdem
3 Laptops nach und nach den Geist aufgegeben haben, habe ich nun den wirklich letzten in Arbeit. Navigieren könnte ich nun nicht
mehr, muß ich auch nicht, denn das Schiff steht hoch und trocken und unbeweglich.
Das Wetter ist nun so, wie man es vom Sommer in DE kennt: Nachts Temperaturen unter 20°, so daß man gut schlafen kann, tags kaum mehr
über 30°, daß man wirklich was arbeiten kann, ohne gleich zu schwitzen. Abends braucht man schon eine Jacke. An der Strandkneipe sitzt
man nicht mehr außen direkt am Wasser, sondern im Gastraum. Der Wind tagsüber nimmt an Stärke zu, und es regnet immer wieder mal. Das Meer
nimmt an Temperatur langsam ab, ist aber immer noch angenehm zum Baden.
Wolfgang hat in unermüdlicher Arbeit den Roller wieder in fahrbaren Zustand gebracht, das erhöht meine Beweglichkeit erheblich. Das Fahrrad
hat sich auch als jenseits von Gut und Böse verrottet gezeigt, das werde ich auch hierlassen. Mal sehen, ob Wolfgang noch was draus machen
kann.
![]()
weiter
|
21.9.19 #210 |
![]()
Heute hat es den ganzen Tag heftig geblasen, der Wind heulte im Rigg, und ich war eher froh, nicht mehr auf dem Wasser
zu sein. Allerdings hatte ich zuerst den Eindruck, das ganze Schiff würde vom Rigg in Vibrationen versetzt, man sagte mir jedoch, das wäre ein
etwas weiter entferntes Erdbeben gewesen, was hier in der Gegend häufiger vorkommt. So habe ich das auch mal erlebt. Sonst war auf dem Wasser von
einem Erdbeben niemals etwas zu spüren.
Das Abkratzen des Bewuchses im Unterwasserbereich ist ziemlich mühsam, ich bereue schon meinen Entschluß, das Kärchern abgelehnt zu haben, das
die Marina routinemäßig anbietet. Allerdings habe ich am Kiel einige tiefe Macken gefunden, die ich offenbar selbst da reingefahren habe. Da werde ich im
Frühjahr, wenn alles gut durchgetrocknet ist, etliches an Reparaturen unternehmen müssen. Neues Antifouling muß sowieso drauf.
Mit Wolfgangs Unterstützung habe ich nun den Roller vom Schiff gehoben, mit Fall und Großbaum als Kran war es erstaunlich einfach. Ich werde das
Fahrzeug im Frühjahr nicht wieder mitnehmen, sondern hierlassen. Wolfgang hat sich begeistert darauf gestürzt und sofort begonnen alles zu
zerlegen. Man muß ihn bremsen, sonst hat man am Ende nur einen Haufen Einzelteile.
![]()
weiter
|
19.9.19 #209 |
Ich hatte es mit anderen Schiffen schon mehrmals mit angesehen, so war das Verfahren, das Schiff aus dem
Wasser zu holen, keine Überraschung.





Die "Trockenmarina" verfügt hierzu über einen riesigen Trailer mit einem gewaltigen Zugfahrzeug,
die Breite und die Auflagen hydraulisch verstellbar. Das Gerät fährt rückwärts über eine geschotterte Rampe ins Wasser, so daß von dem
Trailer nur noch zwei Peilstangen sichtbar sind.
Dann fuhr ich mit dem Schiff zwischen die beiden Peilstangen, das Schiff wurde dann mit
Seilen fixiert, der Marinachef ging mit Schnorchel und Brille tauchen, und dirigierte das Schiff genau über die Auflagen. Die wurden nun
hydraulisch angehoben, Und schon hob sich die Festina Lente aus dem Wasser.
Dann setzte sich das Gespann in Bewegung und fuhr im Schritttempo
die Rampe hoch aus dem Wasser. Am Stellplatz lag schon ein massives Stallrohrgestell bereit, das nun durch Lücken im Trailer passend
zusammengesteckt, und das Schiff darauf abgesenkt wurde. Nun konnte der Trailer herausfahren, und die Festina Lente stand nun hoch und trocken.
Ich habe mich erstmal mit dem Bewuchs befaßt, und angefangen, alles wegzukratzen. Es ist schwieriger, als man denkt, und vor allem sehr
schmutzig. Man bekommt die scharfkantigen Seepocken überall hin, in die Haare, in die Kleidung. Wenn man den noch festsitzenden Pocken
mit den Händen zu nahe kommt, hat man schnell einen Schnitt in der Haut. Nach vielleicht 1/4 der Fläche hatte ich erstmal genug und vertagte die weitere
Arbeit.
![]()
weiter
|
15.9.19 #208 |
![]()
Heute bin ich von Vonitsa Richtung Rouga-Bay abgefahren. Weil die Festina Lente doch recht lange im Hafen lag, habe ich etliche
und auch gute Bekanntschaften gemacht, die sind nach und nach alle abgefahren, sei es um die Reise fortzusetzen oder das Boot für den Winter
einzulagern. Letztlich habe ich auch Bedenken, daß das Wetter hier seinem schlechten Ruf für den Winter gerecht wird, obgleich bis jetzt wenig davon
real zu spüren ist. Durch die lange Liegezeit hat sich vor allem im Cockpit eine "Lehmschicht" angesammelt, und ich habe schon gestern abend
begonnen, das Schiff für die Fahrt vorzubereiten, und die Dinge wegzuräumen und zu verstauen.
Weil die Gribfiles zumindest für den Vormittag schwachen Wind aus der falschen Richtung versprachen, habe ich mich nicht sehr beeilt. Mit Motor
bin ich ein Stückchen rausgefahren, und habe alle Segel gesetzt. War aber zunächst nur Rumgedümpel in der Windstille. Zwar kam nach und nach etwas
mehr Wind, aber sehr unstetig. Es reichte nicht, um ordentlich aufzukreuzen. als ich dann erkennen mußte, daß das Tageslicht so nicht reichen würde,
habe ich die Segel heruntergenommen, und bin das letzte Stück mit Motor gefahren. Dabei wurde deutlich, daß der starke Bewuchs des Rumpfes ein
ordentliches Stück Geschwindigkeit kostet Ich wurde schon erwartet.
![]()
weiter
|
14.9.19 #207 |
![]()
Der Herbst nähert sich in großen Schritten, die Morgentemperatur fällt schon unter 20°C, obgleich es
unter Tags noch weit über 30°C warm wird. Ich schlafe nunmehr mit Decke, und es wird absehbar, daß ich auch demnächst das
Niedergangsluk über Nacht schließen muß. Da anderen Luken sind längst schon zu. Im Hafen wird der Durchsatz an Schiffen größer,
es macht sich Aufbruchsstimmung breit, dennoch gibt es immer noch keine dauernd freie Plätze. Das Angebot in den kleinen
Supermärkten und Läden ändert sich, Sommer- und Touristenware gibt es nicht mehr, kein Speiseeis mehr, und auch keine Badeartikel.
In den Restaurants war es bisher üblich, daß man zusammen mit dem Essen einen Bon aus der Registrierkasse auf den Tisch gestellt
bekam. Man hat mir gesagt, daß die Finanzpolizei sehr darauf achtet, und wenn sie einen Wirt ohne ordentlich registrierte
Abrechnung erwischen, das Lokal sofort und mitleidlos geschlossen würde. Ich kenne das aus Italien, wo man aus der gleichen
Motivation heraus für jede auch noch so kleine Zahlung einen Ausdruck der Registrierkasse aufgedrängt bekam, dort haben sie das vor
etwa 20 Jahren eingeführt. Ich bin nun zum Abschluß meines Aufenthalts hier mit meinen Schiffsnachbarn Essen gegangen, man hat mich
freundlicherweise eingeladen. Man bekommt hier als erstes eine große Papierserviette als Tischtuch über den Tisch gebreitet, das Essen
war gut wie immer, aber die Abrechnung hat sich grundlegend geändert: Kein Kassenbon mehr. Auf die Frage nach der Rechnung kam der
Wirt, ein freundlicher, sich wie alle Wirte verbindlich gebärdender älterer Herr, mit gezücktem Kugelschreiber herbei,
schob in souveräner Weise die abgegessenen Teller etwas beiseite
und schrieb in großen Ziffern die Rechnung keinen Widerspruch duldend auf das Tischtuch. Das begleitete er in einem Kauderwelsch aus
griechischen, englischen, und deutschen Worten, für mich nur bruchstückhaft verständlich. Dabei addierte er in geheimnisvoller Weise
etliche Posten zu Zwischensummen, die er auf das Tischtuch notierte. Am Ende summierte er alles in routinierter Weise auf, und kam zu
einer Summe, die meines Erachtens mehr als doppelt überhöht war, gemessen an den Erfahrungen die ich in den Wochen vorher mit anderen
Leuten, aber vergleichbaren Essen gemacht hatte. Die Summe ergab auch in überraschender Weise einen glatten Betrag, der sofort einkassiert
wurde. Genauso wie sonst wurde sehr schnell das Geschirr abgeräumt, und das Tischtuch zusammengeknüllt und entsorgt. Zurück blieben
zwar satte, aber etwas ratlose Gäste, und keinerlei Beleg.
Die Art und Weise, wie das ablief läßt vermuten, daß das die langgeübte Praxis aus der Zeit vor der Bedrohung durch die Finanzpolizei
war. Ob dieses Schicksal nur die Touristen trifft, oder ob auch die Einheimischen Gäste betroffen sind kann ich nicht sagen. Es wäre
jedoch die auch in den südlichen Donauanrainern allenthalben geübte Praxis, die Touristen mit drastisch überhöhten Preisen abzuzocken.
![]()
weiter
|
5.9.19 #206 |
![]()
Beim Durchstreifen von Vonitsa sind mir immer wieder Baulücken aufgefallen, zwar nicht an der Hauptstraße,
aber in den Nebenstraßen gibt es viele. Schließlich bin ich an so eine Lücke gekommen, die nicht komplett aufgeräumt war, und man
die Ursache sehen konnte: Erdbeben! Da konnte man bizarr geborstene Mauern sehen, die in seltsamen Winkeln zueinander standen, von ihren
Fundamenten heruntergeschoben waren, und breite Risse aufwiesen. Halb und ganz eingestürzte Gewölbe über Fenstern und Türen, keine Mauer
höher als 3m. Nachdem das hier alles 2- und 3-stöckige Gebäude sind, kann man sich nur schwer vorstellen, welche Katastrophe das mal
war. Man hat auch hier allen losen Schutt entfernt, und nur die sicher stehenden Mauerteile erstmal stehen lassen. Es fehlt wohl an Geld,
die Lücke zu schließen.
Allerdings ist diese offenbar traditionelle Bauweise in keinster Weise Erdbebenfest, einfaches Bruchsteinmauerwerk, das sicher weder
zug- noch druckfest ist, es wurden auch keinerlei Armiereisen verbaut. Auch die Griechen werden aus Erfahrung klug, die aktuelle Bauweise
schaut ganz anders aus, Betonskelettbauten, für meine Begriffe reichlich Überdimensioniert, auch die Ausfachung des Skeletts aus Beton,
nicht aus Ziegelmauerwerk.
Vermutlich ebenso wg. Geldmangel stehen viele Rohbauten herum, an denen man diese Bauweise studieren kann. Auch wird gewöhnlich das
Erdgeschoß in Betrieb genommen, sobald die Decke drauf ist, und das Skelett weiter oben nur angefangen, aber bei weitem noch nicht fertig
ist. Am Zustand vor allem der Armiereisen kann man sehen, daß die Baupause viele Jahre oder gar Jahrzehnte dauert.
Ich meine, trotz der Massivität ist das noch nicht wirklich Erdbebenfest. Bei der Fahrt durch den Kanal von Korinth konnte man an den
Verwerfungen im Schichtbild ablesen, welche gigantischen Gewalten da im Spiel sind, um die Schichten meterweit in der Höhe und nach
der Seite zu verschieben. Da wird auch gut armierter Beton brechen, weil er einfach zu schwer ist. Und die Griechen haben offenbar darüber
hinaus Probleme mit der Rezeptur des Betons, was man an verschiedenen Stellen, z.B. am neu gebauten Hafenkai überdeutlich sehen kann.
![]()
weiter
|
4.9.19 #205 |
![]()
Nun bin ich schon länger in Vonitza, der Rückflug ist gebucht, das Winterlager für das Schiff organisiert,
und das Wetter immer noch hochsommerlich. Allerdings steht die Sonne mittags nicht mehr ganz so hoch, und die Tage werden merklich
kürzer. Östlich direkt neben der Festina Lente liegt ein großes, hohes Motorboot, gleich hinter dem Kai beginnt der steile Burgberg
von Vonitza, das bewirkt, daß ich erst ab ca. 10:00 Vormittags direkten Sonnenschein bekomme, und schon nachmittags um 15:00 verschwindet
die Sonne hinter den Bäumen. Dadurch ist es zwar deutlich kühler im Schiff, aber ich bekomme Energieprobleme. Kochen geht nicht mehr, nichtmal
mehr der Morgenkaffee, es reicht knapp noch für den Computer und die Beleuchtung. Anderen hier geht es noch schlimmer, schon seit etlichen
Tagen lassen die Nachbarn täglich viele Stunden ihre Maschinen laufen, um die Akkus zu laden. Bald werde ich das auch machen müssen, besonders
wenn mal ein trüber Tag ohne Sonnenschein ist, was wir hier auch schon hatten.
Ansonsten ist das Wetter eher angenehmer, Die Tagestemperaturen erreichen die 40°C nicht mehr, und in der Nacht nur noch 20°C, Die Tage nicht mehr
durchgängig sonnig, der Wind vielleicht ein klein wenig stärker, aber alles noch berechenbar. Das Wasser zum Baden 27°C, wie in der Badewanne.
Insgesamt eigentlich die bessere Zeit, um hier Urlaub oder Segelurlaub zu machen.
![]()
weiter
|
28.8.19 #204 |
![]()
Weil man mir ein Ersatzteil mitgebracht hatte, habe ich nun das zerbrochene Solarpanel ersetzt. Eigentlich
kein Problem, weil ich aber zur Befestigung in den Rahmen Gewindelöcher eingeschnitten hatte, entstand die
Notwendigkeit, das bei dem neuen Solarpanel ebenso zumachen, es mußte also ein Gewindebohrer mit 5mm her.
Inzwischen hatte ich mir Vonitsa ziemlich erlaufen und kannte die 3 am Ort vorhandenen Eisenwarenläden.
Aber einer nach dem anderen verneinte die Erhältlichkeit dieses Allerweltteiles. Dabei hatten sie schon
grundsätzlich Gewindebohrer, nur eben nicht mit 5mm. Bei dieser Suche konnte ich nicht umhin, das Drumherum
genau zu beobachten. Alle drei Läden waren verhältnismäßig klein, zwischen 150 und 300qm Verkaufs- und
Lagerfläche, und waren offenbar bemüht, ein Sortiment vorzuhalten, wie man es von einem deutschen Baumarkt
gewohnt ist, mit jeweils geringfügig anderen Schwerpunkten. Dabei werden, wohl wegen der kleinen Fläche, die Waren dicht
gestapelt, und es gibt jeweils nur wenige Exemplare oder gar nur Einzelstücke. Aufgefallen ist mir jedoch, daß es
keine für mich erkennbare Ordnung gab, allenfalls sehr grob nach Sachgruppen, und in den Läden niemand anwesend
war, der sich darin auskannte.
In Myrina auf Limnos hatte ich mir einen Riegel zum Ersatz eines zerbrochenen Plastikteils gekauft, in dem
einzigen und winzigen einschlägigen
Laden, den ich dort gefunden hatte stand an einer Theke ein Verkäufer, die Wand hinter sich vom Boden bis zur
Decke mit Pappschachteln vollgestapelt. Als ich mein Anliegen vorgebracht hatte, zauberte der Verkäufer mit
geradezu traumwandlerischer Sicherheit aus dem Berg Schachteln hinter sich genau das Teil hervor, das ich brauchte,
und verkaufte mir das zu einem Preis, der in einem deutschen Baumarkt vermutlich höher ausgefallen wäre.
Meine Hoffnung, das in Vonitsa ähnlich zu erleben, zerstob, und mein Eindruck angesichts der unsortierten Haufen
war, daß sie nicht wissen, was sie haben oder nicht haben, daß sie kein Warenwirtschaftssystem haben und niemals
Inventur machen. Die Liebe der Griechen zur Bürokatie scheint sich auf staatliche Stellen und Beamte zu beschränken.
So eine lückenhafte Versorgung mit Werkzeug und Material ist ein ernstes Hindernis für eine funktionierende Wirtschaft,
und erklärt einiges der offensichtlichen Rückständigkeit.
Was die Eu mit der Einzelförderung von Großprojekten mit viel Geld macht, ist nicht zielführend und nicht geeignet,
an der grundsätzlichen Situation etwas zu ändern. Es ist ein Mentalitätsproblem und nur durch Schulung der einzelnen
Menschen zu verbessern. Wenn die EU, statt überdimensionierte und unbrauchbare Häfen zu bauen berufsbildende Schulen
betreiben würde, wäre mehr gewonnen!
![]()
weiter
|
14.8.19 #203 |
![]()
Wieder allein, habe ich das Bearbeiten des Schiffes wieder aufgenommen. Der Not gehorchend, weil meine saubere
Wäsche zuende war, habe ich mich erstmals mit der Waschmaschine befaßt. Ich hatte vorher nur deren Vorhandensein festgestellt, aber nichts
weiter unternommen. Ich habe sie nun aus ihrem Platz unter der Liegefläche in der Achterkajüte herausgeholt, und ganz nebenbei dabei auch
das Besanstagsegel gefunden, das ich zuhause vergessen glaubte.
Es ist eine Minimal-Waschmaschine, ein Toploader für vielleicht 2kg Wäsche, einziges aktives Element der Antriebsmotor für die Trommel mit
Zeitschaltuhr, sonst nichts. Kein Schleudern, kein Zu- oder Ablauf, Heizung sowieso nicht. Hat natürlich zunächst nicht funktioniert, aber mit
dem schwergängigen Abschalter im Deckel war die Ursache schnell gefunden und beseitigt. Weil die Maschine nicht schleudern kann, braucht man viel
Spülwasser, ich habe insgesamt 30l Wasser, kostbares Süßwasser, verbraucht. Es macht daher nur Sinn, wenn ein Wasserhahn (oder voller Tank) in
der Nähe ist. Trotz dem der Anschlußwert des Antriebsmotors nicht mal 500W ist, stellt sich das Energieproblem beispielhaft für Inselbetriebe.
Als einzige Stromquelle habe ich meine Solarpanels, und damit geht es! Ich habe bis Mittag gewartet, bis die Solarpanels volle Leistung bringen,
und die ganze Waschaktion hat etwa 1 Stunde gedauert, danach waren die Akkus noch nicht ganz leer, und waren bis Abends wieder einigermaßen
voll.
Diese Energieverhältnisse könnten auch als Beispiel für die Bewältigung kommender Energieprobleme dienen. Normalerweise lebe ich auf dem Schiff
sehr sparsam, unverzichtbar ist nur der Computer, die Beleuchtung und der Ventilator (wg. der Hitze) Das verbraucht etwa 30% der maximal zur Verfügung
stehenden Energie. Beleuchtung und Ventilator hängen direkt am 12V-Netz, sind daher maximal sparsam. Der Computer erfordert allerdings den Betrieb des
230V-Wandlers, der schon mehr verbraucht. Weil ich elektrisch koche (mit Induktionsplatte) braucht auch dieser energiefressende Vorgang den Betrieb
des Wandlers. Es hat sich gezeigt, daß das regelmäßige Kaffekochen morgens kein Problem ist, wenn man am Abend vorher genug Ladung in den Akkus
hinterlassen hat. Will man ein (einfaches) warmes Mittagessen zubereiten, geht das auch, wenn die Sonne scheint. Allerdings geht das nicht zusammen
mit Waschen, es sind Alternativen, entweder oder! Natürlich könnte ich Generator/Hauptmaschine anwerfen, aber das will ich unbedingt vermeiden.
So gesehen geht eigentlich alles, was man mit der Energie so macht, allerdings nicht ohne Überlegung bzw. Einschränkung!
![]()
weiter
|
13.8.19 #202 |
![]()
Heute morgen haben meine Gäste mich wieder verlassen. Wolfgang hat mit seinem PKW den Transfer zum Flughafen gemacht, leider
mußte er sehr früh aufstehen, weil es der erste Abflug des Tages war. Obgleich wir nicht viel zu früh am Flughafen ankamen, war dort noch alles
geschlossen, wir mußten außen eine Viertelstunde warten, bis der Check-In geöffnet wurde.
Nachdem meine Gäste keine wirklichen Segel-Enthusiasten waren, haben wir für diese Woche das Segeln stark reduziert, und stattdessen mehr Wert
auf "chillen" gelegt. Die beiden Hafenorte waren dafür auch bestens geeignet, beide mit Strand (und Stranddusche), mit guten und preisgünstigen
Restaurants entlang der Hafenpromenade, mit antiken Ruinen und Ausgrabungen, mit Hinterland für Ausflüge. Ich hatte zwar eine Segeltour rund um
die Insel Levkas vorbereitet, aber man war mit den zwei Segeltagen von Vonitsa nach Preveza und zurück vollauf zufrieden. Obgleich die Distanz von
Vonitsa nach Preveza nicht allzu groß ist, hat das Kreuzen gegenan den Tag mit reichlich Segeln gefüllt, und keinen großen Bedarf nach mehr geweckt.
Meine größte Befürchtung ist nicht eingetroffen: es ist niemand seekrank geworden, denn da hätte ich nichts dagegen tun können. Es war allerdings auch
kaum ein Anlaß dafür, denn die zwei Touren beschränkten sich auf das Innere des Ambrakischen Golfes, und der ist für einen richtigen Seegang einfach
zu klein.
![]()
weiter
|
10.8.19 #201 |
![]()
Planmäßig sind wir heute morgen wieder zurück nach Vonitsa gefahren. Der Abschied fiel durch den unangenahmen
Nachbarn eher leicht, unser Nachbar auf der anderen Seite hatte offenbar wegen dieses Skippers sein Schiff noch gestern Abend verlegt.
Die Gribfiles sagten für die ganze Tour Rückenwind platt von hinten voraus. Wir sind wieder mit Motor den Tonnenweg durch das flache Ende
der Bucht gefahren, und richtig erhob sich eine leichte Brise aus der vorhergesagten Richtung. Wir haben nur die Genau hochgezogen, und
es war ein sehr entspanntes, wenn auch langsames Segeln.
Mittags hatten wir dann das zu umfahrende Kap mit der kleinen vorgelagerten Insel erreicht, und weil der Strand dort so einladend
herüberleuchtete, haben wir vor diesem Strand geankert, um dort zu baden. Leider haben die dort reichlich vorhandenen Seeigel einige Spuren
hinterlassen. Als wir dann wieder weitersegelten, hatte der Wind ordentlich zugelegt, daß wir mit Rauschefahrt den Hafen von Vonitza
eher schnell erreichten. Ein paar hundert Meter vor dem Wellenbrecher haben wir die Genua heruntergenommen und sind mit Motor in den
Hafen reingefahren, und dort richtig eine, wenn auch nur eine einzige Lücke für uns entdeckt. Wir haben versucht, da rückwärts hineinzufahren,
aber durch den starken Wind, der quer zur Fahrtrichtung blies, haben wir das bald aufgegeben, wieder aus dem Hafen raus und vor dem Strand
geankert. Abends, beim letzten Licht, haben wir es dann nochmal versucht. Es war so gut wie kein Wind mehr, die Lücke war noch
frei, und siehe da, wir haben dieses doch eher schwierige Manöver mit Erfolg durchgezogen, ohne das Nachbarschiff zu touchieren. Das war dann
zumindest für meine Gäste ein erfolgreiches Ende der Segeltour.
![]()
weiter
|
9.8.19 #200 |
![]()
Heute nachmittag gab es an unserem Liegeplatz im Hafen von Preveza ein bedenkliches Vorkommnis. Wir lagen
"römisch-katholisch", also senkrecht zum Kai mit vielleicht 2m Abstand zum ebenso liegenden Nachbarboot. Da kam ein weiteres Segelboot
angefahren, um sich in diese Lücke zu quetschen, obgleich am selben Kai ein paar Schiffe weiter noch über 100m freier Platz war.
Zuerst touchierte der Skipper das Nachbarboot und brachte dessen Skipper in Aufregung, dann blieb er in der engen Lücke mit etwa 8m
Abstand zum Kai stecken. Ohne mein Schlauchboot, das in dieser Lücke gerade Platz hatte, zu berücksichtigen, hat er sich dann die restlichen Meter
mit seiner Winsch mit Gewalt zum Kai gezogen, sodaß an den jeweils nächsten Nachbarbooten die Fender plattgequetscht wurden.
Irgendwelche Kommunikation hat der Skipper verweigert, obgleich er offensichtlich der englischen Sprache mächtig war.
Ich kann mir nur vorstellen, daß er dieses Anlegemanöver nicht beherrscht, und froh war, irgendwie angekommen
zu sein, und deshalb den leichten Ausweg an einen anderen Liegeplatz nicht nehmen wollte. Wenn wie in diesem Fall Unvermögen
und Rücksichtslosigkeit zusammentreffen, wird es gefährlich und schadensträchtig.
![]()
weiter
|
7.8.19 #199 |

Gleich morgens sind wir Richtung Preveza losgefahren. Mit Motor nur aus dem Hafen raus und dann alle Segel hoch. Zunächst
war der Wind sehr schwach, das Kreuzen brachte keinen Luvgewinn, aber nach einer Stunde frischte der Wind auf, es wurde richtig sportlich. Mit weiten
Kreuzschlägen sind wir um das Kap mit vorgelagerter Insel herumgefahren und dann in die Bucht von Preveza hineingekreuzt, alles gegenan. Tiefer
in der Bucht wurde das Wasser flacher, und der befahrbare Teil ist da mit Tonnen markiert. Die Kreuzschläge wurden immer enger, und durch die Übung
bekamen wir mit dem Wenden richtig Routine. Erst vielleicht eine halbe Seemeile vor dem Hafen haben wir die Segel heruntergenommen und sind den Rest mit Motor
gefahren. Das romisch-katholische Anlegen war etwas schwierig, einerseits war der Wind noch recht stark, andererseits hatten wir als Mannschaft
keine Übung und machten das zum erstenmal.
Preveza ist eine Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern, ganz auf den Hafen und seine Promenade ausgerichtet, mit vielen Restaurants und Bars direkt
am Hafen, mit Blick auf die vielen hier angelegten Yachten und die weite Bucht.
![]()
weiter
|
6.8.19 #198 |
Heute kamen meine lange erwarteten Gäste am Flughafen von Preveza an. Dieser Flughafen ist im gewissermaßen eine
Minimalausführung, zwar alles da, wie es sich gehört, aber klein und einfach. Alles funktioniert, sogar die Halle ist klimatisiert, und durch die
geringe Größe des Flughafens gibt es freie PKW-Parkplätze außerhalb des Flughafengeländes in Fußgängerentfernung. Auch dadurch war der Transfer nach
Vonitza kein Problem, trotz Hitze und Gepäck war niemand überfordert.
Wie bestellt war am Abend im Hafen von Vonitsa Fischerfest mit Lifemusik, Feuerwerk, Himmelslaternen und einem riesigen Auftrieb von Besuchern. Da
muß man sich wundern, wo bei diesem kleinen Städtchen die vielen Leute herkommen! Es war jedenfalls alles sehr griechisch, abgesehen von den
Luftballons mit LED-Beleuchtung und den kunterbunten LED-Fackeln.
Ja, und leider gibt es bis auf Weiteres keine Bilder mehr, denn meine Kamera hat den Geist aufgegeben.
weiter
|
31.7.19 #197 |

Heute habe ich schweren Herzens die Rouga-Bay verlassen. Ich habe auf dieser Welt nicht viele Orte angetroffen,
die in derart idealer Weise meiner Vorstellung von Urlaub entsprechen. Es muß auch nicht mit Schiff sein, auch mit Wohnmobil oder Zelt
wäre das perfekt, oder sogar noch besser. Es hätte sicher noch eine Weile gedauert, bis es mir zu langweilig geworden wäre. Meine Gäste, die ich
nächste Woche erwarte, wollten jedoch zum An Bord gehen einen richtigen Kai, um trockenen Fußes übersteigen zu können. Der Transfer mit dem
Schlauchboot ist nicht jedermanns Sache. Um diesem legitimen Ansinnen Rechnung zu tragen, ist Vonitsa der nächste Hafen, auch nicht viel
weiter vom Flughafen entfernt als der Hafen von Preveza.
Die Gribfiles versprachen den üblichen Wind mit 3Bft, der am späten Vormittag aufkommt und dann am Abend wieder einschläft. Allerdings genau aus West,
also alles gegenan. Aus Erfahrung weiß ich inzwischen, daß es auch 3 Windstärken mehr werden könnten, also bis 6Bft. Weil die Distanz von Rouga-Bay
bis Vonitsa eher gering ist, gerade mal 5sm Luftlinie, wollte ich so viel wie möglich segeln, Ich habe deshalb eher früh den Anker hochgeholt,
er war nicht vertörnt, und bin nur ein paar 100m mit Motor gefahren, um aus dem Feld der anderen Ankerlieger herauszukommen. Bei nahezu Windstille
habe ich alle Segel gesetzt, und in Erwartung von etwas mehr Wind begonnen, aus der Rouga-Bay herauszukreuzen. Bei den ersten Kreuzschlägen ging die
Festina Lente nicht von selbst durch den Wind, da habe ich mit Motor nachgeholfen. Erst nach vielleicht 2 Stunden bin ich auf den Golf hinausgekommen,
und dort auf richtigen Wind gestoßen. Der hat aber so nach und nach zugelegt, bis sich die Festina Lente wieder ziemlich übergelegt hat, und wieder
diese Neigung zum Anluven gezeigt hat, wie immer, wenn der Wind recht stark ist. In dieser Situation kann ich sie nicht alleine laufen lassen,
sie würde einfach im Wind stehen bleiben. Ich muß das Ruder gegen das Anluven halten, um die Fahrt nicht zu verlieren. Erst gegen Spätnachmittag habe
ich das letzte Kap gerundet und konnte direkt auf Vonitza zufahren. Zuerst bin ich etwas weiter nach Osten gefahren, um im Windschutz der dortigen
Hügel die Segel leichter herunterzubekommen. Leider mußte ich feststellen, daß die Flickstelle in der Genua wieder aufgegangen war. Dann habe ich mich mit
Motor vor den Strand begeben, und dort etwa 200m vor dem Ufer geankert. Im Fernglas habe ich im Hafen mehrere freie Plätze gesehen, und draufhin Wolfgang
angerufen, damit er mir hilft, römisch-katholisch anzulegen. Er war auch richtig mit seinem Roller nach 15min da, ich habe für diese Strecke den
ganzen Tag gebraucht.
Ich mußte nun feststellen, daß man für dieses Manöver eine wirklich gut eingespielte Mannschaft braucht. Das in der Seefahrt übliche hierarchische
Prinzip, bei dem der Skipper alles bestimmt, taugt hier nur bedingt. Damit der Rudergänger ordentlich gerade Rückwärtsfahren kann, braucht es schon
ein ziemliches Tempo. Da muß der Mann am Anker schon wissen, wann er den Anker zu werfen hat, denn der Rudergänger ist mit dem Rückwärtsfahren
vollauf beschäftigt. Dann muß der Mann an der Ankerwinsch soviel Kette geben, daß die Rückwärtsfahrt nicht nennenswert gebremst wird, und das Heck
richtig am Kai ankommt. erst kurz vor der Berührung, muß das Schiff durch die Kette gebremst werden. Da muß der Rudergänger jedoch schon mit dem
Festmacher an Land gesprungen sein.
Ich habe dieses Manöver in Methana mit einer offenbar sehr versierten Mannschaft völlig reibungsfrei auf den ersten Drücker durchgezogen, nun war es
erheblich schwieriger, und hat reichlich Hafenkino erzeugt.
![]()
weiter
|
11.7.19 #196 |
Vergangene Nacht zog ein gewaltiges Gewitter mit einem dramatischen Feuerwerk über den Ambrakischen Golf, das
in mir unliebsame Erinnerungen an das Schwarze Meer weckte. Die zugehörigen Windböen brachten wiedermal meinen Anker zum slippen. Man
konnte in den Bergen ringsum viele Einschläge sehen, aber keinen auf dem Wasser oder gar in einem der hier vor Anker liegenden
Yachten. Weil ich in solchen Situationen immer um den Anker fürchte, konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen, und durch die vielen
Blitze war mir durchaus mulmig zumute.
Der heutige Morgen brach mit makellos blauem Himmel an, so als ob nichts gewesen wäre. Weil die Festina Lente doch sichtlich einige 100m
vertrieben war, habe ich den Anker hochgeholt, um zum alten Platz zurückzufahren.

Da erschien der Anker viele Male umschlungen von
seiner Kette an der Wasseroberfläche, absolut funktionsunfähig. Nachdem das schon öfter passiert war, wußte ich schon, wie man das wieder hinbekommt.
Ich habe den Anker mit einem Seil abgefangen, und die nun entspannte Kette mühsam mit dem Bootshaken vom Anker abgewickelt. Als ich dann das Seil
wieder herausnehmen wollte, hat der Anker durch die verdrehte Kette vielleicht 10 mal rotiert, und dabei das Seil um die Kette gewickelt, nochmal
eine Abwicklung. Während des ganzen Manövers war die Festina Lente am Treiben, sodaß ich mehrere Male unterbrechen und zurückfahren
mußte. Alles zusammen 2h Arbeit am frühen Morgen! Gottseidank bei harmlosem Wetter!
Die Konsequenz: dieser Anker, ein Danforth-Anker mit ca. 40kg, ist ungeeignet. Wenn das Schiff schwoit, also um den Anker rotiert, verwickelt
er sich regelmäßig in die Kette, und verliert die Funktion. Ein neuer Anker muß her, momentan sind Bügelanker en vogue, die haben nur eine Fluke
und verwickeln sich nicht so leicht.
weiter
|
8.7.19 #195 |
![]()
Weil ich die griechische TEPAI-Steuer nur für den Juni bezahlt hatte, war die wieder fällig, und weil es hier so schön ist,
wollte ich die Steuer auch gleich für den August bezahlen. In Myrina auf Limnos hatte ich mit dieser Zahlung einen ganzen Tag und viele Irrwege
lang zu tun, hier im Hafenbüro von Vonitza brauchte es insgesamt 4 Fahrten mit Wolfgangs Motorroller nach Vonitza und 4 Tage.
Gedacht ist, daß man diese Steuer komplett online abwickelt, leider funktioniert das in Griechenland überhaupt nicht, denn als Ausländer und
Nicht-Einheimischer hat man gewöhnlich keinen Internetzugang. Man ist daher auf aktive Hilfe der Beamten im Hafenbüro angewiesen, die das über
ihre Computeranlage durchführen. Auch wenn man einen kooperativen Beamten findet, heißt das noch lange nicht, daß man damit vorankommt. Erst nach
vielen Telefonaten (Die Büroleiterin in Vonitza hat extra im Hafenbüro von Myrina angerufen) und noch mehr Hin und Her gelang es, das Papier mit
der zugehörigen Steuererklärung auszudrucken. Während in Myrina alles Weitere kein Problem mehr war, wollte die griechische Nationalbank in Vonitza die
zugehörige Überweisung nicht vornehmen. es mußte erst noch eine Bank gefunden werden, die bereit war, das Geld zu akzepieren und eine Quittung
herauszugeben.
Diese Steuer ist für den griechischen Staat durch den übermäßigen Verwaltungsaufwand eindeutig ein Verlustgeschaft. Man hätte besser daran getan,
auf diese Steuer zu verzichten und die Segeltouristen nicht damit zu verärgern.
Die eigentlich löbliche Absicht geht total in die Hose, weil die griechische Beamtenschaft Dienst nach Vorschrift macht, und Veränderungen und
Neuerungen grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Weil ein Tourist meist weder einen Internetzugang hat, noch die Möglichkeit hat, etwas auszudrucken,
funktioniert das angedachte Konzept nicht. Ganz abgesehen davon würde ich niemals Bezahldaten meines Bankkontos über ein undefiniertes Internet
schicken.
Dabei ist eine Nichtzahlung dieser Steuer mit drakonischen Strafen bewehrt. Eine kafkaeske Situation.
Mein Eindruck ist, die Situation mit dieser Steuer steht beispielhaft für die ganze wirtschaftliche Misere in Griechenland. Es sind ganz einfach
viel zu viele und vor allem zu untätige und unwillige Beamte. Jeder Versuch den "Kuchen zu vergrößern(*)" führt nur tiefer ins Defizit.
![]()
*"Den Kuchen vergrößern" war der Wahlslogan von Alexis Tsipras; Seine Partei hat die Parlamentswahl und damit die Regierung auch richtig verloren!
weiter
|
30.6.19 #194 |
Weil er sich hier wie ein Einheimischer auskennt, ist mein Cousin das letzte Stück bis zu seinem Urlaubsort mitgefahren.
Ich habe das als sehr wohltuend empfunden, nicht mehr alles und jedes ständig im Griff haben zu müssen, es war ein sehr entspanntes Fahren.
Wir sind sogar ein Stückchen gesegelt, wenn wir auch gegenan kreuzen mußten. In der sehr idyllischen Rouga-Bay haben wir geankert. Sein
Boot steht hier noch an Land aufgebockt. Hier werde ich eine ganze lange Weile bleiben, bis ich und das Schiff wieder erholt sind.
weiter
|
29.6.19 #193 |
Weil das restliche Stück Weges nach Preveza durch enge Kanäle und Tonnenwege führt, habe ich nicht versucht zu Segeln,
obgleich der Wind das zugelassen hätte. Ich habe auch den Besan heruntergenommen und festgebunden, den ich vor allem zum Ankern sonst immer
obenlasse. Das Land hier ist durchsetzt mit Salzmarschen, es erinnert an die Gegend um Aigues Mortes westlich der Rhonemündung. Der Verkehr
mit Freizeitbooten aller Art hat sehr zugenommen, man fährt z.T. im Konvoi. Im Hafen von Preveza dachte ich erst, das wäre so ähnlich organisiert
wie in Linaria, aber ich mußte erkennen, daß diese Hilfe nur Charterbooten zuteil wird.
Da habe ich ganz am südlichen Ende des Kais an einem freien
Stück längseits angelegt, das kann ich ohne Unterstützung. Und ich habe meinen Cousin auch richtig getroffen!
weiter
|
28.6.19 #192 |
Weil mein Opencpn seit Methana funktioniert, navigiere ich nun damit. Dieses Navigationsprogramm protokolliert
alles minutiös und genau mit. Weil ich mich für die kurze Tagesetappe nach Mytikas statt der langen nach Preveza entschieden hatte, und der
Wind zwar genau in die Bucht von Astakos hineinstand, aber sonst ganz passend war, bin ich unter Segeln mit insgesamt 19 Kreuzschlägen aus
der Bucht herausgekreuzt. Wenn man genau hinsieht, wird auch erkennbar, wo ich gewendet und wo gehalst habe. Dieses Kunststück dauerte etwa
4 Stunden (gegenüber 1/2 Stunde, wenn ich mit Motor gefahren wäre). Erschwert wurde das noch durch eine ungünstige Winddrehung, vielleicht
hätte ich eine Stunde früher abfahren sollen, dann wäre es leichter gegangen. Leider ist der Wind komplett eingeschlafen, kaum daß ich
aus der Bucht herausen war, und ich mußte doch mit Motor weiterfahren. In Mytikas habe ich erst garnicht versucht, in den Hafen einzulaufen,
sondern habe gleich vor dem Strand geankert.
weiter
|
27.6.19 #191 |
Weil ich gestern mehr oder weniger gezwungenermaßen so weit gefahren bin, leiste ich mir wieder einen Ruhetag.
Vielleicht 100m mit dem Schlauchboot zum Strand, es gibt hier gute Einkaufsmöglichkeiten, Wind und Seegang halten sich in engen Grenzen.
weiter
|
25.6.19 #190 |

Hinter der Mole am Kanalausgang erwartete mich heftiger Seegang und starker Wind, 6-7 Bft aus Nord. Mit Dieselkraft
fuhr ich zum nördlichen Ufer der Bucht von Korinth, und fand dort auch richtig etwas Ruhe, um alle Segel zu setzen. Damit segelte ich aus
der Bucht heraus, hoch am Wind (*), um das nördliche Ufer des Golfes und damit etwas ruhigere Verhältnisse zu gewinnen. Das Gegenteil war
jedoch der Fall. Offenbar sorgten die sehr hohen Berge am Nordufer des Golfes für derartige Fallwinde, daß der Wind nicht nur sehr unstetig,
sondern in Böen auch noch viel stärker war, ich kann es nur schätzen, aber 10Bft als Spitzenwert schien mir möglich. Bei solchen Winden
spielt der Seegang kaum noch eine Rolle, das Schiff legt sich so über, daß die Leeseite des Decks unter Wasser gerät. Am Ruder steht man
dann breitbeinig mit einem Fuß auf der Rückenlehne des Cockpits, dem anderen Fuß noch am Cockpitboden. Auch nicht gerade bequem, weil
die Winkel zu Abstützen nicht passen. Man kann sich dann nur noch am Steuerrad festkrallen und hoffen, daß nichts bricht. Dabei lernte ich
auch eine Schutzfunktion der Festina Lente kennen: Wenn der Wind in einer Bö so stark wird, luvt(*) das Schiff so heftig an, daß man das selbst
mit hart Ruder(*) nicht verhindern kann. Dabei wird der Ruderdruck so groß, daß ich Angst um den Rudermechanismus bekam, eine maximal ungemütliche
Situation. Normalerweise ist das ein deutliches Signal, die Segelfläche zu verleinern, also zu reffen. Aber ich sehe mich außerstande, allein da
irgendwas in diesem Sinne zu unternehmen, ich könnte allenfalls ein Fall loswerfen, aber das Segel würde das folgende Flattern nicht aushalten.
Ich habe dann versucht, das Beste aus dieser Situation zu machen, und soviel West wie möglich zu fahren. Und ich muß sagen, die
Festina Lente ist schon ein braves, tapferes altes Mädchen, was sie da alles klaglos eingesteckt hat, ist schon bewunderungswert! So bin ich unter der Nordküste
des Golfes entlang nach Westen geprescht. Ab Nachmittag hielt ich nach einem Hafen Ausschau, aber an der Nordküste gibt es bestenfalls Ankerbuchten.
Dreimal habe ich versucht, so eine Bucht anzulaufen, aber je näher ich den Bergen kam, umso stärker wurde der Wind. So habe ich das bald aufgegeben,
und kam immer weiter nach Westen. Erst mit der Dunkelheit ließ der Wind etwas nach, aber da war es für einen Hafen oder Ankerbucht schon zu
spät, ohne Sicht in sowas reinzufahren ist einfach zu gefährlich. Also immer weiter! Mit meinem GPS-Navi war es kein Problem, die Mitte des
Golfes einzuhalten, und als der Wind schließlich ganz weg war, fuhr ich mit Motor weiter durch die Nacht. Etwa nach Mitternacht passierte ich die
Straßenbrücke am Ausgang des Golfes, aber bis ich an dem Kap am Nordufer angekommen war, war es schon später Vormittag, wo ich den Kurs auf Nord ändern konnte.
In dieser Gegend ist in der Karte alles als Naturschutzgebiet bezeichnet, und ich nehme an, sie mögen es nicht, wenn man dort ankert. Man sieht
da auch nirgends ein Schiff vor Anker. Also immer Weiter!

Nach der Karte ist der nächstmögliche Hafen Astakos, dort kam ich am Abend an, 36 Stunden
ununterbrochene Seefahrt unter ungünstigen Bedingungen in den Knochen. Nach Auswertung des Tracks waren es insgesamt 137 sm mit Spitzengeschwindigkeiten über 10Kts.
Beginn 7:21 Ende 15:52 Durchschnittsgeschwindigkeit 4,2Kts, Reisezeit 1Tag, 8:30 (Seit Methana funktioniert mein OpenCpn, das protokolliert alles mit)
Bewährt hat sich unter diesen Bedingungen vor allem das Hardtop. Während das Schiff total salzüberkrustet war, blieb unter dem Hardtop alles trocken,
Ich hatte kein Verlangen nach Schutzkleidung wie Ölzeug. Den Roller hats schwer erwischt, er hat reichlich Salzwasser abbekommen, und er ist entsprechend
angerostet, genauso das Fahrrad.
(*) Anluven : das Schiff dreht sich in Richtung auf den Wind zu.
(*) Hart Ruder: Das Steuerrad bis zum Anschlag drehen.
(*) Hoch am Wind: Der kleinstmögliche Winkel zum Wind, den das Schiff gerade noch segeln kann
weiter
|
![]()
![]()
![]()
|