Ganz allgemein haben viele mit der Sportschiffahrt wenig
erfahrene Menschen verschiedene, meist unbegründete Vorbehalte
oder gar Ängste, die hier ausgeräumt werden sollen.
Andererseits werden manche reale Gefahren zu harmlos
gesehen oder garnicht erkannt.
Das Schiff könnte untergehen.
Der Schiffsrumpf ist eine sehr stabile Sache.
Strukturelle Brüche, die zu einem schnellen Untergang
führen könnten, kommen nur bei überzogenem Leichtbau,
gravierenden konstruktiven Mängeln, sowie schweren Unfällen
mit Kollisionen vor.
Realistischer sind Wassereinbrüche durch Bedienungsfehler
z.B. offengelassene Seeventile an der Toilette, oder
offengelassene oder schlecht verschlossene Luken. In solchen
Fällen dauert es jedoch mindestens viele Stunden, meist jedoch
Tage oder Wochen, bis es gefährlich wird. Also reichlich Zeit
für Gegenmaßnahmen. Deshalb sind häufig im Hafen alleingelassene
Boote von so einem Malheur betroffen.
Ohne Landsicht wird es gefährlich.
Tatsächlich ist in der Nähe zum Land die Fahrt weitaus schwieriger und gefährlicher,
denn dort gibt es viele Strukturen, also Felsen oder Untiefen die
bei fehlerhafter
Navigation zu Unglücken führen können. Auf hoher See gibt es diese
Probleme nicht. Deshalb ist in Landnähe besonders aufmerksame und genaue
navigatorische Arbeit erforderlich.
Bei besonders schlechtem Wetter potenzieren sich diese Probleme
so sehr, da ß es oftmals besser ist, auf hoher See zu bleiben statt
zu versuchen, enen Hafen anzulaufen.
Bei extremen Wetterbedingungen kann man sich auf hoher See die Richtung
aussuchen, in der das Schiff am sichersten fährt, während man im Hafen
den möglicherweise ungenügenden Sicherheitsmaßnahmen hilflos ausgeliefert
ist.
Hier ein Video, das zeigt, wie
entspannt es zugehen kann, wenn man auf hoher See auf sehr schlechtes Wetter trifft. Zuerst
fahren sie mit blanken Masten vor dem Wind, und das sehr schnell, weil es ordentlich bläst.
Das Schiff fährt sicher, es könnte so weiter gehen. Sie nehmen das Vorsegel herunter, und
setzen die Sturmfock. Man bemerke, es gibt Strecktaue und sie sind eingepickt! Wenn
die Sturmfock oben ist, drehen sie bei, sofort steigern sich die Windgeräusche, aber das
Schiff liegt viel ruhiger, und sie können sorglos entspannen!
Das Schiff könnte umkippen
Ein Segelschiff fährt beim Segeln niemals ganz aufrecht.
Tatsächlich hat eine Segelyacht durch ihren Ballastkiel erheblich
mehr aufrichtendes Moment als ein Motorboot. Dadurch wird sich
das Schiff ganz von selbst wieder aufrichten, selbst wenn die Masten
flach auf dem Wasser liegen. Je mehr Druck vom Wind
in die Segel ausgeübt wird, umso mehr legt sich das Schiff auf die
Seite. Das kann soweit gehen, dass die Deckskante auf der
Leeseite unter Wasser gerät. Das ist nicht gefährlich, allenfalls
"sportlich". Es gibt da selbstverständlich eine sinnvolle Grenze,
der Skipper wird darauf achten. dass diese nicht überschritten wird.
Man könnte ins Wasser fallen
 Dans la nuit du 12 au 13 juin 1998, alors qu'il naviguait vers l'Écosse, Éric Tabarly disparaissait en mer. Il était une légende vivante, le destin lui a donné la mort d`un héros de légende... Dabei hat er noch kurz vorher ein Schulungsvideo zum Thema Schwimmweste und Sicherheitsgurt gemacht.
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Das ist tatsächlich die größte reale Gefahr und die Ursache für die
meisten Unglücke. Auch wenn man sich nach einiger Zeit an Bord sicher
fühlt, darf man diese Gefahr nicht aus den Augen verlieren!
Wenn das Schiff in Fahrt ist, ist ein über Bord gefallener Mensch in
Sekundenschnelle nicht mehr zu sehen und äußerst schwierig wiederzufinden.
Besonders gefährdet ist man beim übermütigen Herumturnen auf dem Schiff,
im Falle von Seekrankheit beim Spucken über die Seite (Lee!!!), und beim
Pinkeln nach Außenbords, wenn man meint, niemand sieht es.
Deshalb müssen au ßerhalb des Hafens alle Mitfahrer außerhalb der Kajüte Sicherheitsgurt mit
Schwimmweste tragen und an Deck auch eingepickt sein.
Kinder (<10J) müssen auch im Hafenbereich und auf den Stegen Schwimmweste
tragen. Ohne Schwimmweste dürfen sie sich nur in Begleitung Erwachsener
dort bewegen, und müssen auf den Stegen an der Hand genommen werden.
Bei Seekrankheit nur in den Eimer spucken, und bei Bedarf nur die
Toilette benutzen. Gegebenenfalls Funkbake und Notlicht am Körper tragen.
Das Cockpit nur auf Anweisung des Skippers verlassen. Die Seenotübungen
beachten und den Anweisungen des Skippers folgen.
Jeder an Bord befindliche Mensch muß einen mitgebrachten Gigaset Keeper am Körper
tragen. Das Gerät löst einen automatischen MOB-Alarm aus und hält die Position im
Kartenplotter fest. Weitergehend ist eine AIS-Bake, sie gibt im Alarmfall ständig
Positionsmeldungen ab, der MOB kann dadurch vom eigenen Schiff (und auch
fremden Schiffen) leichter gefunden werden. Aktuell das Beste ist eine Epirb, da wird
per Satellit ein internationaler Seenotalarm ausgelöst, und der MOB wird auch ohne
Schiff gegebenenfalls vom Hubschrauber geborgen.
Feuer im Schiff
Das ist eine weitere reale und fatale Gefahr, die von unbedarften Gästen
meist überhaupt nicht gesehen wird. Um diese Gefahr zu minimieren, wird an
Bord elektrisch, also nicht mit Gas oder Petroleum gekocht. Es darf im
täglichen Leben an Bord nicht mit offenem Feuer, Kerzen, Feuerzeugen,
Streichhölzern etc. hantiert, und entsprechend nicht geraucht werden.
Der mit Gemisch (2%) betriebene Außenborder) darf nur an Deck, niemals
unter Deck gelagert werden, der zugehörige Kanister darf nur im
Ankerkasten gelagert werden.
Es gibt an Bord insgesamt 5 Feuerlöscher, jeder an Bord muß jederzeit
über den Standort dieser Feuerlöscher informiert sein. Feuerlöschübunen
sind zu beachten.
Bei unklarem Brandgeruch sofort alle Batteriehauptschalter ausschalten. Jeder
an Bord mu ß informiert sein, wo diese zu finden sind!
Klare Kante: Wer aufs Rauchen nicht verzichten kann,
darf nicht an Bord! Wer an Bord trotzdem dabei erwischt wird, wird in Ketten
gelegt und muß das Schiff bei der nächsten Gelegenheit verlassen.
So kanns gehen!
"Es ist die Aufgabe des Skippers, die notwendigen Entscheidungen, die zur Sicherheit an Bord geboten sind, nicht nur zu treffen, sondern auch durchzusetzen."
Kollision
Diese Gefahr ist real, wird aber häufig unterschätzt. Auf See gibt es über lange Strecken
nichts besonderes zu sehen, da läßt die Aufmerksamkeit schnell nach.
Andere Schiffe werden
über AIS gemeldet, Eisberge und andere große Objekte werden im Radar sichtbar. Wirklich
gefährlich sind die nicht- oder nur schlecht sichtbaren Dinge: Treibende Baumstämme, kleine
Eisberge, treibende Container, schlafende Wale. Da hilft nur sorgfältiger
Ausguck. Als letzte Versicherung gibt es auf der Festina Lente ein Kollisionsschott,
das das vordere Drittel des Schiffes wasserdicht vom restlichen Schiff trennt. Wenn das
vordere Drittel durch ein Leck vollgelaufen ist bleibt das Schiff noch schwimm- und
manöverierfähig.
Wenn es nun doch passiert ist .........
Im allgemeinen werden Schiffe viel, viel zu früh und zu leicht aufgegeben, mit der Folge,
daß die leeren Schiffe Wochen und selbst Monate nach der Havarie herrenlos treibend auf dem
Ozean gefunden werden. Daher die eiserne Regel: Solange das Schiff noch schwimmt, ist
darauf der sicherste Platz!
Für den Notfall gibt es eine 6-Personen-Rettungsinsel und eine Epirb/AIS-Bake.
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